Sotschi | Öfter mal was Neues! Das ist zwar nicht das elfte olympische Gebot, dennoch haben selbst die Mitglieder des Alt-Herren-Clubs IOC (Durchschnittsalter um die 60 Jahre) durchgeholt: Die Sport-Jugend dieser Welt lässt sich nicht mit ödem Skilanglauf oder "Kringel-Drehen" auf dem Eis hinter den Laptops, I-Phones oder 3D-Fernseher hervorlocken. Da muss schon etwas Neues, Spektakuläres, Gefährliches wie Slopestyle her.

Dessen olympische Premiere hat wohl den frischesten Wind in das angestaubte Winter-Programm gebracht. Taffe Typen mit langen Haaren, Dreitagebart, knallige XXL-Klamotten, die Hose locker im Schritt hängend - das ist schon cool. Das hat was. Oder, um es mit den Worten der Zielgruppe zu sagen: Slopestyler sind "Swag". Das ist eine Abkürzung für den englischen Satz "Secretly we are gay" und steht in der deutschen Jugendsprache nicht, wie die wortwörtliche Übersetzung vermuten lässt, für schwul, sondern für eine beneidenswerte, lässige, coole Ausstrahlung.

Um mit diesem Wissen zu glänzen, musste ich erst mal googeln. Aber da bin ich einer nicht repräsentativen Umfrage unter meinen Kollegen zufolge nicht die Einzige. Um zu verstehen, was die Jugend so treibt, mussten sich wohl auch die IOC-Grufties schlau machen und das Slopestyle-Vokabular pauken. Ich wage allerdings zu bezweifeln, dass sie (und ich) in vier Jahren noch wissen, was ein "Switch Double Misty 1440", "Truckdriver" oder "Double Cork 1080 Mute Grab" ist. Aber wie sprach Prentice Mulford einst so weise: Wer vergisst, schafft Raum für neue Gedanken. Sag ich doch!