Es ist ein kleines Stück Heimat in einem fremden Land - auch diesmal wieder, in Sotschi: das sogenannte Deutsche Haus. Bei den Winterspielen 1988 in Calgary eingeführt, hat sich das Haus für Athleten, Trainer, Betreuer und Gäste aus Wirtschaft sowie Politik zum beliebten Treffpunkt gemausert. Hier werden die Medaillen kräftig gefeiert - und die Niederlagen auch schon mal im Alkohol ertränkt.

Allein in der ersten Woche flossen im integrierten "Kufenstüberl" 2160 Liter Bier durch die durstigen Kehlen. 350 Kilo Leberkäse, 200 Kilo Weißwürste und 3500 Brezeln sorgten für die nötige Grundlage. Das Vergnügen lassen sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Deutsche Sport-Marketing DSM einiges kosten - allein fast 700 000 Euro Miete sind fällig, dazu die Kosten für den temporären Umbau in den kaukasischen Bergen mit zwei Blockhäusern, Kaminzimmer und dem Restaurant "Chalet". Finanzkräftige Sponsoren oder offizielle Partner wie Wernesgrüner machen´s möglich.

Die letzten Tage hat die Stimmung im Deutschen Haus nach zahlreichen vierten Plätzen ein wenig gelitten. Dass die Feierlaune aber nicht unbedingt am Medaillenspiegel festzumachen ist, beweisen jeden Tag aufs Neue die Österreicher. Berichten zumindest die Kollegen, die nach einem langen Tag nicht gleich ins Bett gehen. Denn obwohl im Medaillenspiegel weit hinter Deutschland, gibt es echten Hüttenzauber nur im "Austria Tirol Haus". Österreichs Eishockey-Cracks ließen es sogar so krachen, dass sich deren Partynacht im Nachbarland inzwischen zur Affäre entwickelt hat. Übrigens: Weil das Deutsche Haus schloss und die Getränke ausgegangen waren, zogen unsere Gold-Skispringer Andreas Wank Co. weiter ins Haus der Österreicher und fanden dort eine Heimat - bis 4.30 Uhr in der Früh.