Thomas Bach hat die Winterspiele von Vancouver als " herausragend und äußerst stimmungsvoll " bezeichnet und seinen Stolz über das deutsche Mannschaftsergebnis ausgedrückt. Zugleich forderte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes ( DOSB ) angesichts der Tatsache, dass es für sein Team in den 20 Disziplinen der sogenannten modernen Sportarten keine einzige Medaille gab, ein kulturelles Umdenken : " Wir kommen mit den üblichen Fördermaßnahmen nicht weiter. "

Frage : Herr Bach, wie zufrieden sind Sie als Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees mit den Spielen von Vancouver ?

Thomas Bach : Es waren herausragende, äußerst stimmungsvolle Winterspiele. Die Athleten hatten hervorragende Bedingungen. Ein ganzes Land vibrierte, war vom olympischen Feuer beseelt. Weltweit haben so viele Menschen wie nie zuvor Winter-Olympia erlebt. Die Erinnerung an den tragischen Tod des Rodlers Nodar Kumaritaschwili wird immer mit diesen Spielen verbunden sein. Aber alle Verantwortlichen sind damit würdevoll umgegangen. Die Philosophie des IOC wurde hier insgesamt sehr gut umgesetzt.

Frage : Und wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis der deutschen Mannschaft ?

Bach : Ich bin stolz auf diese Olympia-Mannschaft. Die hervorragenden Resultate wurden auch in der Heimat mit sehr viel Interesse verfolgt. Das Team war mit sauberen Mitteln sehr erfolgreich, ein glänzender Botschafter für unser Land und unsere Bewerbung um die Spiele 2018 in München. Es waren moderne Athleten und olympische Champions. Mit ihrem Auftreten haben sie in Deutschland zu den guten Einschaltquoten und Marktanteilen von mehr als 30 Prozent oder elf Millionen Zuschauern in der Spitze beigetragen.

Frage : In den drei sogenannten modernen Sportarten Snowboard, Freestyle und Shorttrack, alle ab 1992 ins Programm gerückt, gewann Deutschland keine einzige von 60 Medaillen, aber Kanada sechs- und die USA dreimal Gold. Scheint hier nicht Handlungsbedarf ?

Bach : Wir analysieren, wo Potenzial zu schaffen wäre, wo nicht genügend Athleten vorhanden sind, reden zeitnah mit den betroffenen Verbänden. Wir kommen aber mit den üblichen Fördermaßnahmen nicht weiter. Es gibt bei uns in diesen Sportarten keine Pistenkultur wie in Kanada, den USA und anderen Ländern. Es liegt nicht nur daran, dass es in Deutschland noch keine Halfpipe oder andere Trainingsstätten gibt, das zeigen auch Erfolge unter ähnlichen Voraussetzungen durch andere Länder. Es muss ein Umdenken in der Sportkultur eingeleitet werden. Erfolge sind hier nicht unbedingt bis Sotschi möglich. Aber wir müssen diesen Bereich stärken mit Blick auf München 2018.

Frage : Seit dem Wettkampf-Auftakt gab es keinen einzigen Doping-Fall. Welche Gründe sehen Sie hierfür ?

Bach : Das Netz war so eng wie nie zuvor. Allein die Tatsache, dass Proben über acht Jahre für Nachkontrollen eingefroren werden und heute nicht entdeckbare Mittel noch spät zur Aberkennung von Medaillen führen können, schreckt ab. Zudem wurden viele Athleten im Vorfeld überführt und von den Spielen ferngehalten. Wir brauchen künftig noch mehr Trainingskontrollen zum richtigen Zeitpunkt, vielleicht auch mehr Blutkontrollen, weil man über sie mehr auffinden kann als über Urin-Analysen – zum Beispiel Wachstumshormone.