Mit einem Riesensatz hüpfte Viktoria Rebensburg kraftvoll auf das Podium für die Gold-Zeremonie – in die Weltspitze hatte sich die Olympiasiegerin schon vorher katapultiert. Bei der Siegerehrung am Donnerstagabend auf der " Medal Plaza " platzte die 20-Jährige fast vor Glück. Wieder und wieder ballte sie fast in Boris-Becker-Manier die Jubel-Faust, strahlte über das ganze Gesicht und sang dann andächtig die Hymne mit.

" Es ist einfach aus einem herausgesprudelt. Ich habe es genossen, da oben auf dem Podest, war völlig gelöst und glücklich ", schilderte der Riesenslalom-Champ, den das Gold von Maria Riesch angestachelt hatte. " Wenn du mit 20 Olympiasiegerin bist, gehst du mit einer gewissen Bürde weiter, denn das ist das Höchste, was du erreichen kannst ", so Alpin-Direktor Wolfgang Maier, der zweimal Gold nach acht Entscheidungen " hammergut " fand.

Über dem Soll liegen die deutschen Alpinen schon jetzt. Und Rebensburg in ihrer Entwicklung sowieso. Mit 20 Jahren Gold bei Olympia ; geschafft hatten das weder Rosi Mittermaier oder Maria Riesch noch Vorbild Katja Seizinger, von der Rebensburg sich einst ein Autogramm holte. " Wenn du die Gabe hast, und die hat die Maria auch, dich ganz auf dich zu konzentrieren und mal auszublenden, was wäre wenn, dann kommen solche außergewöhnlichen Leistungen zustande ", sagte Maier über die Sportlerin mit dem " eigenen Kopf ".

Rebensburg ist erst die neunte deutsche Alpin-Olympiasiegerin – die Lebensläufe der meisten anderen sind eindrucksvoll. Auch der dreimaligen Junioren-Weltmeisterin könnte eine große Zukunft bevorstehen. " Aber eine junge Athletin darf man nicht verheizen und auf zehn verschiedenen Hochzeiten tanzen lassen ", warnte Damen- Cheftrainer Mathias Berthold. Mit Technik-Coach Christian Schwaiger war es ihm gelungen, die " wilde Vicky " etwas zu zähmen. " Aber ihren extremen Stil haben wir ihr gelassen ", erklärte Maier. Berthold sieht in dem " Riesentalent " alle Möglichkeiten schlummern. Wie auch Rebensburg selbst. " Ich bin auf alle Fälle eine Riesenslalom-Fahrerin. Aber in der Vergangenheit war es so, dass viele, die von da kamen, in die Speed-Schiene gewechselt sind. Wahrscheinlich wird es bei mir auch so kommen ", orakelte die " Junior-Sportlerin des Jahres ".

Dabei hatte das Schwung-Wunder vor dem Coup von Whistler nicht einmal einen Weltcup gewonnen und nur einmal auf dem Podest gestanden. " Die Vicky war schon reif für einen Sieg, aber dass es gleich Olympia wird – da hat sie den Weltcup eben mal ausgelassen ", bemerkte Markus Wasmeier, der 1994 das letzte deutsche Riesenslalom-Gold geholt hatte. Ski-Veteranen wie Hilde Gerg oder Rosi Mittermaier freuten sich in Whistler mit Siegerin Viktoria. " Gold-Vicky klingt doch gut, Gold-Maria auch ", schwärmte " Gold-Rosi ", die versuchte, mit der Kamera exklusive Schnappschüsse zu bekommen. " Ich muss ein Foto für die Oma machen, ich kenn’ die Oma und die Eltern. "

Die Eltern hatten den Lauf des Lebens ihrer Tochter zu ihrem Ärger nämlich verpasst. Weil das Riesenslalom-Finale vom Mittwoch auf den Donnerstag verlegt wurde, waren Dagmar und Wolfgang gerade im Flieger in 10 000 Meter Höhe unterwegs, als die Tochter zu Gold carvte. " Ich habe mit meinen Eltern telefoniert. Sie sind aus dem Flieger gerade ausgestiegen. Jetzt trinken sie ein Glaserl auf mich ", schilderte Rebensburg, die sich auch am olympischen Ehrentag ihre kecke Art bewahrte.