Die Show kann beginnen : Die Kanadier wollen die Sportwelt mit einer gigantischen

Eröffnungsfeier auf großartige Winterspiele einstimmen, doch Wetter-Kapriolen bereiten den Olympia-Machern ernste

Sorgenfalten. Dauerregen in

Vancouver, Schneestürme in Cypress Mountain und dichter Nebel in Whistler ließen

Erinnerungen an Calgary

aufkommen, als der warme

Fallwind Chinook das

Olympia-Programm durcheinanderwirbelte.

Am härtesten betroffen vom unberechenbaren Olympia-Wetter in den Bergen waren die alpinen Skifahrer, die auf einer immer gefährlicher werdenden " Dave-Murray-Piste " in Whistler-Creekside das Abfahrtstraining nach ewiger Wartezeit abbrechen mussten. Hingegen war der heftige Schneefall in Cypress Mountain für die Organisatoren der Freestyle- und Snowboard-Wettbewerbe eher eine Erlösung. Damit scheinen die Buckelpisten-Entscheidungen am Samstag und Sonntag gesichert. Wegen des ungewöhnlich warmen Winters war zuletzt tonnenweise Schnee aus höher gelegenen Regionen auf die Hänge transportiert worden.

Während es in Cypress Mountain auch in den kommenden Tage schneien soll, sagen die Prognosen für Whistler noch schlechteres Wetter voraus. Damit steht die morgen geplante erste Alpin-Entscheidung schon vor der offiziellen Eröffnung der Spiele auf der Kippe.

Erwartet wird in Vancouver wieder ein erbitterter Kampf der Deutschen um die Spitzenposition mit den Russen und Amerikanern.

Ein gewichtiges Wort um die Pole Position wollen die Gastgebern mitreden, die in der Goldgräberstadt Vancouver auf einen wahren Goldrausch hoffen. Mit dem Großprojekt " Own the podium " soll für die Kanadier eine peinliche Nullnummer wie in Montreal 1976 oder Calgary 1988 verhindert werden. 117 Millionen kanadische Dollar ( knapp 80 Millionen Euro ) wurden locker gemacht, um den Höhenflug zu vollziehen. 30 Medaillen sollen laut einer Hochrechnung für den Gewinn der Nationenwertung reichen.

Lob von höchster Stelle erhielten die Gastgeber schon vor dem ersten Startschuss. " Wir werden 16 Tage pure Magie erleben ", verteilte IOCPräsident Jacques Rogge ein Kompliment an die Spiele, die mit mehr als 2700 Sportlern aus 82 Nationen eine Rekord-Beteiligung verbuchen. Das ambitionierte Ziel ausverkaufter Spiele steht kurz vor der Realisierung. Rund 1, 6 Millionen verkaufte Tickets spülten rund 500 Millionen Kanada-Dollar ( 341 000 Millionen Euro ) in die klammen Kassen.

Die zur Verfügung stehenden 12 000 Hotelzimmer sind ausverkauft. Dennoch rechnen die Chefs des Organisationskomitees VANOC weiter mit einem Finanzloch im Etat von 1, 7 Milliarden Kanada-Dollar ( 1, 09 Milliarden Euro ). Vor allem die Sicherheitskosten sind gegenüber den Anfangsplanungen explodiert und haben sich versechsfacht.

Unmittelbar vor dem Olympiaauftakt erklärte IOC-Chef Rogge, die Zukunft Olympias sei selbst bei einem einmaligen Ausfall der Spiele gesichert. Das IOC könne über eine Periode von vier Jahren von seinem Finanzpolster zehren. Laut Rogge sind die Rücklagen auf mittlerweile 466 Millionen Dollar ( 340 Millionen Euro ) gestiegen. Als Rogge 2001 sein Amt übernahm, hatte das IOC nur 76 Millionen Euro in Reserve.

Die Einnahmen des IOC werden für den Zeitraum 2009 bis 2012 voraussichtlich erstmals die Sechs-Milliarden-Dollar-Grenze ( 4, 37 Milliarden Euro ) übersteigen. Im Fernsehbereich kassierte das IOC für Vancouver 820 Millionen Dollar vom amerikanischen Giganten NBC und 180 Millionen Dollar von der europäischen EBU ( zusammen 675 Millionen Euro ). Die neun Top-Sponsoren bringen 883 Millionen Dollar ( 644 Millionen Euro ) in die Kasse.