Eine Unmenge von Fernsehschaffenden sind in Vancouver und Whistler unterwegs, damit wir nichts Olympisches verpassen. Das Anliegen ist löblich, die Umsetzung mitunter anfechtbar. Vor allem wegen der unendlichen Erklärungen.

Reichte ehedem ein einziger Reporter für die Vermittlung eines Skispringens, muss heute ein ganzer Stab ran. Der besteht mindestens aus einem Moderator, einem Kommentar und einem Interviewer, der hinterher herausbekommen muss, warum die deutschen Adler wieder mal flügellahm waren. Bei Erfolgen sind die Auskünfte am Ziel ähnlich dünn, weil Siegerin und Sieger den Erfolg meist noch gar nicht fassen können …

Dazu gesellen sich noch die Co-Moderatoren oder -Kommentatoren. Ohne diese Spezies scheint kein Sender mehr auszukommen. Bei dieser Arbeitsbeschaffungsmaßnahme dürfen einstige Sportgrößen – häufig ohne Mikrofonsicherheit und sprachliche Grundfertigkeiten – ihren Senf zum Geschehen beisteuern.

Wir lernen von den Subunternehmern der Fernsehsportabteilungen, dass Wind am Biathlon-Schießstand zu Fahrkarten führt ( hört, hört !) oder dass beim Slalom um die Fahnenstangen herum gefahren werden muss ( aha !). Gewürzt wird das noch mit Schmonzetten aus der eigenen Laufbahn, die niemand hören will.

Erschwerend kommt hinzu, dass deutscher Wintersport primär eine Angelegenheit der Südländer ist. Sprachkurse in Bayerisch oder Erzgebirgisch sind eher was für die Volkshochschule. Steffen Honig