Lenzerheide (dpa) l Podestplatz zu Silvester, Podestplatz am Neujahrstag - die Langläufer haben dem deutschen Sport zum Jahreswechsel die Marschrichtung für die Olympischen Winterspiele im Februar in Sotschi vorgegeben. Denise Herrmann stellte auf der dritten Etappe der Tour de Ski in Lenzerheide im Freistil-Sprint am letzten Tag des Jahres wieder einmal als Dritte ihre derzeitige Superform unter Beweis. Am Neujahrstag zogen die Männer endlich nach. Hannes Dotzler aus Sonthofen kam im Massenstart-Wettbewerb über 15 Kilometer klassisch auf Platz zwei hinter dem Kasachen Alexej Poltoranin. Die Gesamtführung übernahm der Norweger Martin Sundby.

Über 10 km der Frauen war erwartungsgemäß nichts zu holen. Beim Sieg der Finnin Kerttu Niskanen wurde Steffi Böhler aus Ibach als 19. beste DSV-Athletin vor Herrmann, die mit diesem Rennen ihre Tour-Teilnahme beendete. Neue Spitzenreiterin ist die Norwegerin Astrid Jacobsen, nachdem die Tour-Favoritin Marit Björgen wegen einer Erkrankung nicht mehr zur vierten Etappe antrat.

Die Erleichterung im Herren-Team war spürbar. Bislang hatten nur die Sprinter einigermaßen brauchbare Ergebnisse abgeliefert, nun aber explodierte die Leistung bei den Distanzläufern. Thomas Bing (Oberhof) wurde Vierter, Jens Filbrich (Frankenhain) Siebter und Tim Tscharnke (Biberau) Zwölfter. Damit haben nun bereits sechs deutsche Herren die Olympia-Norm erfüllt.

Bundestrainer hofft auf Initialzündung bei Teichmann und Angerer

"Was für ein Ergebnis", sagte Bundestrainer Frank Ullrich. Der Auftritt mache Mut und zeige, welches Potenzial in der Mannschaft stecke. "Wir haben jetzt auch im Distanzbereich gezeigt, dass wir mithalten können", betonte der Bundestrainer und hofft dadurch auch auf eine Initialzündung bei seinen Sorgenkindern Axel Teichmann und Tobias Angerer, die erneut nicht in Reichweite der Besten liefen. Angerer zog daraufhin die Konsequenzen und verkündete seinen Tour-Ausstieg, um sich neu aufzubauen.

Die Protagonisten des Tages aber waren happy. "In den ersten beiden Runden herrschte Hektik, ich musste mich von hinten erst nach vorn arbeiten. Wenn man dann unter den besten 20 ist, wird es ruhiger", beschrieb Dotzler sein Rennen und sagte: "Als vorn der Zug abging, war ich in einer hervorragenden Position." Sein Teamkollege Bing hatte sich während des gesamten Rennens im Vorderfeld aufgehalten, war mit Platz vier aber unglücklich. "Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen. Vierter ist das blödeste Ergebnis, was es gibt."

Wie einen Sieg feierte Filbrich Platz sieben. "Ich hatte schon geglaubt, ich muss meine Karriere ohne Olympia beenden. Heute habe ich in der letzten Runde gesehen, was möglich ist und habe einfach gekeult", beschrieb der Oldie seinen Sturmlauf nach Sotschi.

Der Sturmlauf der Damen blieb über 10 km klassisch erwartungsgemäß aus. "Die Mädels haben normale Leistungen gezeigt. Es wurde deutlich, dass wir im Distanzbereich noch erhebliche Rückstände haben", analysierte Ullrich.