Magdeburg l Kevin Schweiger hat für die Otto Baskets zunächst einmal den Vorteil, von Geburt an deutscher Staatsbürger zu sein. Mit Schweiger - in der vergangenen Woche hat er den Vertrag beim dänischen Erstligisten in Randers zugunsten Magdeburgs aufgelöst - stehen wieder vier (aktive) deutsche Spieler im Kader, von denen immer zwei gleichzeitig auf dem Parkett agieren müssen. So will es das Regelwerk der Pro A. "Damit habe ich wieder mehr Wechselmöglichkeiten", sagte Trainer Dimitris Polychroniadis.

Die waren zuvor stetig geschrumpft: Richard Fröhlich (Kreuzband) ist langzeitverletzt. Kevin Wysocki "hat uns im Stich gelassen", machte der Coach nach dem Karlsruhe-Erfolg deutlich. Der Vertrag mit Dorian McDaniel ist nach der Göttingen-Pleite kurz vor Weihnachten aufgelöst worden: "Er findet sich nicht zurecht im System", hatte Polychroniadis schon nach dem 68:110 beim Tabellenführer erklärt. Marvin Boadu ist weiterhin krank. "Es wird sich in den nächsten Tagen einiges bewegen", deutete Präsident Kristian Tolk am Sonnabend an. Es bleibt also spannend in der Magdeburger Kaderpolitik.

Schweiger wird sich an Spannung gewöhnen müssen, nicht etwa hinter den Kulissen, sondern auf dem Parkett. Zum dritten Mal in Folge kämpften sich die Otto Baskets in der Gieseler-Halle zum Sieg, zum dritten Mal in Folge erhielt dieser das "Hochspannung"-Prädikat. Der 26-jährige Schweiger hatte am 82:80 (38:36) gegen die BG Karlsruhe vor allem in der Defensive seinen Anteil. Und Polychroniadis freute sich darüber, dass sein Team trotz des Nachsehens in der Rebound-Statistik (27:44) die Saisonzähler neun und zehn eingefahren hatte. "Wir sind einfach glücklich, dass wir mit einem Sieg ins neue Jahr starten konnten", jubelte der 44-Jährige.

Das Erfolgsgeheimnis der Gastgeber lag auch in diesem großartigen ersten Viertel, "als wir in verschiedenen Verteidigungsvarianten einen sehr guten Zugriff hatten", so Polychroniadis. Das Geheimnis lag außerdem in der Fehlerquote, die sein Team mit acht sehr niedrig hielt. "Und natürlich gehörte auch ein bisschen Glück dazu", wusste der Coach.

Selbst durch den opulenten Vollbartwuchs von Drew Maynard war das breite Lachen des Siegers erkennbar. Als Edward Seward (10 Punkte, 15 Rebounds) mit dem fünften Foul vom Parkett musste (32./62:57), schlug die Stunde des 24-jährigen Maynard, der seine emotionale Achterbahnfahrt mit verworfenen Freiwürfen (beim 77:71) oder unnötigem Foul (das zum 77:76 führte) letztlich mit zwei verwandelten Freiwürfen (zum 79:76/43 Sekunden vor Schluss) positiv abrundete. Jeramie Woods - mit 20 Zählern der Topscorer der Partie - vollendete fünf Sekunden vor dem Ende einen Freiwurf zum 82:78. Damit waren die Punkte in diesem nervenaufreibenden und kampfbetonten Krimi endgültig gesichert. "Siege sind verdient - egal, wie sie zustande gekommen sind", gratulierte Karlsruhes Coach Torsten Daume fair.

Und somit hatten sich die Magdeburger vollständig rehabilitiert für die Göttingen-Pleite. Nach der Partie am 21. Dezember "bin ich am nächsten Tag nach Griechenland geflogen, jeder Spieler hatte viereinhalb Tage Urlaub", berichtete der Grieche Polychroniadis. Seit der ersten Einheit nach der kurzen Pause "haben wir kein einziges Wort über das Göttingen-Spiel gesprochen, ich denke, das war richtig so". Solch eine Maßnahme kann Kevin Schweiger nicht verwundern. Polychroniadis und sein neuer Akteur haben bereits in Osnabrück und Leipzig zusammengearbeitet. Das ist ebenfalls ein Vorteil für die Otto Baskets.

Otto Baskets: Wright 12 Punkte/0 Rebounds, Maynard 7/1, Schweiger 5/2, Drägert, Meyer 9/0, Woods 20/3, Tzakopoulos 0/1, Morinia 11/3, Seward 10/15, Volf 8/0

Karlsruhe: Calvin 15/12, Good 9/4, Harris 12/3, R. Rößler 14/5, Schwartz 3/2, Büchert 7/5, Pane 8/3, Black 6/8, Komarek 6/8