Magdeburg. Uwe Jungandreas mag nicht jammern. Genauso sagt er es auch am Dienstagnachmittag den 13 anwesenden Spielern beim Start in die Vorbereitung auf das zweite Saisonhalbjahr. "Wir wollen die Zuschauer begeistern und den Gegner ängstigen", gibt er als Devise in der Getec-Arena vor - und punkten. Denn am Ende der Serie wird es niemanden interessieren, wann wie viele Akteure verletzt gewesen sind. Das wird nur noch eine Randnotiz sein. Und Jungandreas weiß, dass auch seine Arbeit letztlich nach Ergebnissen und Tabellenstand bewertet wird.

Deshalb sagt er: "Der Druck wird automatisch kommen. Und ich würde nicht sagen, ich habe nichts zu verlieren." Im Grunde genommen bietet ihm seine Aufgabe als SCM-Coach auch die Chance, eine Referenz für die eigene Zukunft über die laufende Saison hinaus zu sammeln, wenn er seinen Stuhl für den neuen Coach räumen muss.

Jammern könnte der 51-Jährige trotzdem, denn in Anbetracht von zunächst zehn fehlenden Akteuren aus dem Bundesliga-Kader ist es schwer, das Spiel in ein funktionierendes System zu packen. Mit Marko Bezjak, Bartosz Jurecki, Stefan Kneer, Robert Weber und Marco Oneto kommen fünf Akteure ihren Verpflichtungen in der Nationalmannschaft nach. Michael Haaß wird noch zehn Tage nach seiner Operation am Sprunggelenk ausfallen, Jure Natek (Handwurzelknochen) und Matthias Musche (Fuß) müssen am heutigen Mittwoch zunächst zur medizinischen Nachkontrolle, Tim Hornke werden ebenfalls heute die Drähte aus dem lädierten Finger gezogen. Und Dario Quenstedt ist mit grippalem Infekt vom Vier-Nationen-Turnier mit dem Nationalteam zurückgekehrt.

Um überhaupt "hochintensive Einheiten" realisieren zu können, wird sich Jungandreas der Magdeburger Youngsters vom neuen Coach Bennet Wiegert bedienen - individuell oder in gemeinsamen Einheiten. Erst neun Tage vor dem Start gegen Hannover-Burgdorf (5. Februar) "werden dann alle Spieler wieder dabei sein", blickt der Coach voraus.

Jungandreas hat natürlich eine klare Vorstellung vom künftigen Auftritt seines Teams. "Ohne das System komplett zu ändern, müssen wir in allen vier Sequenzen zulegen", sagt der Coach zur Arbeit an Abwehr, Konter, Angriff und Rückzug. "In erster Linie will ich mehr Wirkung über Abwehr und Gegenstoß erzielen."

Der Trainer ist ein Freund der 6-0: "Die Zonendeckung halte ich auch in Magdeburg für ein gutes System, es muss nur wieder richtig interpretiert werden." In seinem Sinne heißt das: offensiver. Seine Vorstellung ist es zudem, eine zweite Abwehrformation zu installieren - nicht nur als Notlösung. "Wir werden an der 5-1 als festes System arbeiten." Letztlich geht es dem Coach darum, eine Einheit auf der Platte herzustellen. Die hatte nämlich ob der Verletzungsmisere stark gelitten.

Neben der Platte ist das Gefüge intakt, hat Jungandreas mehrfach betont. "Ein Freund einer zu flachen Hierarchie bin ich aber nicht, trotzdem steht natürlich jeder einzelne Spieler in der Verantwortung. Aber es muss schon den einen oder anderen geben, der den Taktstock schwingt", erklärt der Coach. Aus dem SCM-Orchester sollen dies Michael Haaß als Nationalspieler und Fabian van Olphen als Kapitän sein. "Und dann muss man sehen, wer sich außerdem herauskristallisiert."