Renate Lingor wird am Sonnabend anlässlich des tags darauf stattfindenden 20. DFB-Hallenpokals (ab 10 Uhr, Getec-Arena) bei einer Gala im Maritim-Hotel für ihre Wahl zur "besten Spielerin aller Zeiten" geehrt. Volksstimme-Redakteur Uwe Tiedemann sprach mit der 38-jährigen Ex-Nationalspielerin (149 Einsätze/35 Tore), die während ihrer aktiven Zeit für den SC Klinge Seckach und 1. FFC Frankfurt (157/96) aktiv war.

Volksstimme: Sie haben in Ihrer Karriere viel erreicht, sind u.a. zweimal Welt- und zweimal Europameisterin geworden. Was bedeutet nun dieser Titel?

Renate Lingor: Ich war sehr überrascht, aber es freut mich natürlich und macht mich auch ein wenig stolz, dass ich bei so vielen Fans in positiver Erinnerung geblieben bin. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass es sich um einen Hallentitel handelt.

Volksstimme: Kommen alte Erinnerungen wieder hoch?

Lingor: Sicherlich. Ich habe als Spielerin ja schon im Kindesalter gerne in der Halle gespielt. Es freut mich, dass sich mein Spaß in der Halle wohl auch auf die Zuschauer übertragen hat.

Volksstimme: Hatten Sie sich als DFB-Mitarbeiterin mal über das Zwischenresultat informiert?

Lingor: Das war nicht zu vermeiden, weil meine DFB-Kolleginnen mir quasi gegenübersitzen.

Volksstimme: Überrascht das Ergebnis nicht auch insofern, als dass keine aktuelle Nationalspielerin auf den ersten beiden Plätzen (Zweite wurde die Nationalmannschafts-Managerin Doris Fitschen/d. Red.) zu finden ist?

Lingor: Das stimmt schon. Aber die 21-jährige Dzsenifer Marozsan ist als Topstürmerin beim 1. FFC Frankfurt immerhin Dritte geworden und lag zudem lange vorn. Sie ist eine klassische Hallenspielerin und wird, da bin ich mir sicher, noch viele Titel holen.

Volksstimme: 20 Jahre existiert jetzt der Hallenpokal der Frauen, hat sich zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Warum funktioniert so etwas nicht bei den Männern?

Lingor: Ich denke schon, dass auch die Männer wie z.B. ein Mesut Özil gerne in der Halle kicken, nur ist der Terminplan oft zu eng gestrickt.

Volksstimme: Seit fünf Jahren ist Magdeburg jetzt Austragungsort. Warum fühlen sich alle in der Getec-Arena so wohl?

Lingor: Weil es einfach eine tolle Halle ist, weil gute Stimmung herrscht, weil die Stadt territorial günstig liegt und weil sich alle mit der Organisation unheimlich viel Mühe geben. Ich war jetzt zweimal dabei, habe aber leider nie hier gespielt.

Volksstimme: Sie selber haben nach ihrem Karriere-Ende den reibungslosen Übergang ins Berufsleben geschafft, sind seit 2006 beim DFB und nun im Team-Management der U 20- und U 19-Frauen. Ein Traumjob?

Lingor: Das kann man so sagen. Fußball ist und bleibt mein Leben. Ich habe einen tollen Übergang geschafft und kann mir eine schönere Arbeit nicht vorstellen, auch weil wir uns mit den Trainerinnen Maren Meinert, Bettina Wiegmann, Silke Rottenberg und dem gesamten Funktionsteam so gut verstehen. Nächstes Highlight ist im August die U-20-WM in Kanada.