Ruhpolding. Startnummer "1" war nun nicht das, was sich Franziska Hildebrand bei der obligatorischen Auslosung vor dem Rennen zwangsläufig gewünscht hatte. "Damit war ich nicht so glücklich", berichtete sie, "weil ich ja niemanden auf der Strecke vor mir sehe." Am Freitag allerdings war ihr die "1" auf den Leib geschneidert worden. Denn mit nur einem Schießfehler im Einzel von Ruhpolding kam die Köthenerin nach 15 Kilometern als beste deutsche Biathletin auf Rang vier - 52,8 Sekunden hinter der Siegerin Gabriela Soukalova (Tschechien/1 Fehler).

Dass sie ohne ihren Fehler das Rennen gewonnen hätte - im Einzel wird jeder Fehlschuss mit einer Strafminute belegt -, interessierte Hildebrand am Abend nicht mehr. "Ich freue mich einfach über Platz vier", sagte sie am Telefon. Und erklärte ihren Ausrutscher so: "Man sagt bei uns: Das erste Zielbild soll man nehmen. Aber ich hatte den ersten Schuss neu angesetzt." Und zwar im letzten Stehendanschlag, in dem sie die zweite Scheibe verfehlte. Das änderte nichts daran, dass sie das bislang beste Resultat ihrer Weltcup-Karriere feierte. Die "1" hatte Hildebrand vor 11 000 Fans in der Chiemgau-Arena diesmal Glück gebracht.

Bis dato hatte sie mit jener Nummer eher schlechtere Erinnerungen verbunden: Vor zwei Jahren war sie als Erste zum Sprint in Oberhof gestartet - und hatte sich mit drei Schießfehlern aus dem Dunstkreis der Top-20 manövriert. Diesen Fluch hat sie nun besiegt. Und noch mehr.

Hildebrand, die schon zwei Tage zuvor beim zweiten Platz der deutschen Staffel als Schlussläuferin glänzte, verbesserte sich in der Weltcup-Gesamtwertung auf Rang 13 und bleibt in dieser Statistik ebenfalls die beste Deutsche dieses Winters. Das soll sich in den nächsten Tagen auch nicht ändern. Nach der Verfolgung am Sonntag (11 Uhr/live ZDF) reist die Karawane weiter nach Antholz (Italien), wo am nächsten Wochenende der letzte Weltcup vor den Winterspielen ausgetragen wird. "Jetzt will ich gesund durch die Vorbereitung für Olympia kommen", erklärte Hildebrand.

Die Generalprobe für das Einzel in Sotschi (am 14. Februar) hat indes Laura Dahlmeier (2 Schießfehler) als zweitbeste Deutsche auf Rang 14 vor der 19-jährigen Franziska Preuß (3) als 16. und Andrea Henkel (2) als 17. beendet. Kathrin Lang verpasste bei ihrem Weltcup-Comeback mit sechs Schießfehlern und Platz 72 die Qualifikation für die Verfolgung ebenso wie Evi Sachenbacher-Stehle (69./7).

Ziel der Verfolgung ist es natürlich, im Rang noch besser zu werden, weiß Hildebrand. "Aber da bin ich ja in einer wirklich guten Gesellschaft", sagte sie lächelnd mit Blick auf die Konkurrenz. "Schaun mer mal ..."