Herning/Aarhus l Im Teamhotel in Aarhus herrscht ein lockerer Umgangston. Alle sechs Mannschaften, die die Hauptrunde in der NRGi-Arena bestreiten, wohnen dort unter einem Dach. Was zunächst schwer vorstellbar erscheint, ist doch Realität: Handballer, die in den Spielen gegeneinander nicht zimperlich miteinander umgehen, halten vor und nach dem Essen einen kleinen Plausch oder trinken einen Kaffee.

Auch Bartosz Jurecki ist ein Teil in diesem Mikrokosmos und sitzt entspannt auf einem Barhocker, wenn er über die EM spricht. "Wir müssen konstanter spielen, wenn wir noch ins Halbfinale wollen", sagt der Kreisläufer des SCM.

Immerhin geht es hinsichtlich der Ergebnisse nach oben. Nach zwei Niederlagen gegen Serbien und Frankreich folgten zwei Siege gegen Russland und Weißrussland. Die sorgen dafür, dass die Polen mit Jurecki und ihrem deutschen Trainer Michael Biegler mit jetzt 4:2-Punkten in der Hauptrunde gut dastehen.

Jurekis Ziel ist Olympia

Mit Schweden und Kroatien warten jetzt aber noch zwei dicke Brocken. "Wir müssen uns im Angriff steigern, die Abwehr funktioniert bislang ganz gut", sagt Jurecki, der zu den Stützen der polnischen Mannschaft zählt.

Auf den Routinier ist Verlass, auch in kritischen Situationen stellt er sich der Verantwortung. Bis mindestens 2016 soll das so bleiben, denn die EM im eigenen Land und die Olympischen Spiele ein paar Monate später sind das Ziel des Kreisläufers. "Natürlich will ich da dabei sein, und ich habe noch keine olympische Medaille", erklärt er.

Möglicherweise hat er das auch mit Robert Weber thematisiert, die beiden Magdeburger halten während der Tage in Dänemark Kontakt über Whatsapp, einen Kurznachrichtendienst für Mobiltelefone. Auch mit Andreas Rojewski steht er in Kontakt, versichert aber, ihn nicht damit zu ärgern, dass keine deutsche Mannschaft bei der EM dabei ist. Dafür bleibt auch gar keine Zeit, schließlich soll der Fokus auf das Turnier gerichtet bleiben.

Weber ist gefährlich


Bei Weber ist das nicht anders als bei Jurecki, auch wenn die Österreicher das Halbfinale eigentlich schon bei der Vorrunden-Niederlage gegen Mazedonien aus den Augen verloren haben. "Für uns ist trotzdem jedes Spiel wichtig, denn es bringt uns Erfahrungswerte, die wir brauchen." Die Österreicher haben einige junge und unerfahrene Spieler dabei. Und für sie ist die EM die ideale Möglichkeit, um sich an das Niveau zu gewöhnen. "Viele sind noch in der österreichischen Liga aktiv", verrät Weber.

Der Rechtsaußen selbst gehört zu den erfahrenen Kräften und tut bei der Europameisterschaft das, was er auch in Magdeburg tut: er verrichtet routiniert seine Arbeit auf der Außenbahn. Und hat sich deshalb längst den Respekt seiner Gegner verdient. Der dänische Trainer Ulrik Wilbek wies vor der Partie seines Teams gegen Österreich explizit auf die Gefährlichkeit Webers hin: "Darauf müssen wir aufpassen und das schnelle Spiel sowie den Gegenstoß von ihm kontrollieren."

Das Duell mit dem Gastgeber war für Weber ein besonderes Erlebnis. "Diese Stimmung hat man nicht so oft", blickt er begeistert zurück. Bei der 29:33-Niederlage verkauften sich Weber Co. zudem ausgesprochen gut. Was aber nichts daran ändert, dass die Österreicher nach dem letzten Hauptrundenmatch gegen Ungarn nach Hause fahren. Am Montagabend verloren sie trotz erneut starker Leistung auch gegen Spanien mit 27:28.