Samswegen l Das deutsche Gewichtheben kommt offensichtlich in Bewegung. Angesichts weniger und immer älter werdender Top-Athleten sowie immer größerer Lücken in den Nachwuchs-Altersklassen, beabsichtigt der Bundesverband Deutscher Gewichtheber (BVDG), seine Vereine auf dem flachen Land zu mehr Engangement für junge Athletinnen und Athleten zu bewegen.

"Ich will Instrumentarien schaffen, die unsere Vereine dazu zwingen sollen, mehr Jugendarbeit zu machen", formuliert es BVDG-Vize und Bundesligawart Frank Schlizio (Berlin). "Dabei bin ich mir natürlich darüber im Klaren, dass der SSV Samswegen, aber auch viele andere Vereine damit so richtig große Probleme haben werden."

Hauptinhalt einer vierstündigen Diskussion aller Gewichtheber-Bundestrainer mit Abgesandten sämtlicher Erst- und Zweitbundesligisten im thüringischen Ohrdruf war die Zukunft der höchsten deutschen Ligen. Wichtigstes Ergebnis ist die Aussage, dass die 1. Bundesliga mit ihren beiden Gruppen Ost und West so bestehen bleiben soll. Kontrovers debattierten die Fachleute allerdings den Vorschlag von Bundestrainer Oliver Caruso, die Mannschaftsstärke zwar bei sechs Aktiven zu belassen, aber nur fünf Erwachsene zuzulassen. Den sechsten Platz sollte künftig ein 16- bis 18-jähriger Nachwuchsstemmer einnehmen.

Lutz Witzel, Mannschaftsleiter beim zweifachen deutschen Meister SSV 1884 Samswegen, der in Ohrdruff vor Ort war, sagte dazu: "Ich verstehe den BVDG, der mit dem Rücken zur Wand steht, weil zu wenig Nachwuchs in unserer Sportart da ist." Kritisch vermerkte der 55-jährige, dass in den vergangenen Jahren die Zahl der hauptamtlichen Trainerstellen im Gewichtheben spürbar zurückgegangen ist. In Sachsen-Anhalt existieren lediglich noch ein bezahlter Geschäftsführer und ein Trainer. Alle weiteren Stellen nehmen ehrenamtlich tätige Übungsleiter ein.

Als "ersten Stand der Diskussion" bezeichnet Schlizio die Gedanken. Runde zwei finde Anfang Mai statt. Eine Umsetzung bereits in der kommenden Saison erachtet Schlizio als "eher unwahrscheinlich".