Magdeburg l Franziska Hildebrand hat auch etwas Schönes an der deutschen Olympia-Kleidung entdeckt. Der Blazer für die festlichen Anlässe, ganz in Blau gehalten, trägt sich ganz ordentlich. Im gesamen Outfit mit Bluse und Hose allerdings "wirkt es recht streng", erklärt sie. Man kann auch sagen: Eine Stewardess könnte nicht besser gekleidet sein. Nicht streng, eher (zu) lustig wirkt wiederum das sportliche Dress in Grün, Gelb und hellem Blau. Gemacht für Eröffnungsfeier und Siegerehrungen, aber es erinnert eher an Fasching. Franziska Hildebrand bezeichnet es freundlich als "auffällig und gewöhnungsbedürftig". Damit wäre ja zumindest ein Zweck erfüllt: Auffallen wollen nämlich auch die deutschen Biathlon-Damen in Sotschi.

Während sich die Kleidung zunächst allein auf den Weg nach Sotschi gemacht hat, um dort von den Sportlern empfangen zu werden, schinden sich die Schützlinge von Bundestrainer Uwe Müssiggang noch im Ridnauntal in Italien in der Loipe und am Schießstand. "Wir holen uns dort den letzten Schliff", berichtet Hildebrand in der allgemeingültigen Gewissheit: "Was wir bislang nicht konnten, lernen wir auch in den letzten zwei Wochen nicht mehr." Vor allem an der läuferischen Spritzigkeit und der Qualität am Abzug wird gefeilt, bevor es in der nächsten Woche in den Langlauf- und Biathlonkomplex namens "Laura" an die Schwarzmeer-Küste geht.

Unterstützung ist Franziska Hildebrand bei ihrer Olympia-Premiere jedenfalls sicher: Die Zahl ihrer "Facebook"-Freunde ist zuletzt progressiv auf 2700 gestiegen. Und zum jüngsten Weltcup in Antholz hatte ihre Familie jede Menge Post außerdem mitgebracht: "Autogrammwünsche mit persönlicher Widmung" wollten erfüllt werden. Nach Sotschi wird sie wohl einen neuen Wortlaut für ihren Kartengruß an die Fans suchen müssen.

Denn einen Start kann ihr keiner mehr nehmen: Der 13. Rang im Gesamtweltcup qualifiziert sie bereits für die Teilnahme am olympischen Massenstart. "Darüber freue ich mich riesig, das ist mein Lieblingsrennen", jubelt sie. Über die Besetzung der weiteren drei Einzelsdisziplinen und zwei Staffelrennen (Mixed, Damen) entscheiden aber letztlich die Trainer. "Ich bin froh, dass ich bei den Weltcup-Rennen in der Staffel dabei sein durfte", erklärt die 26-Jährige - auch mit vorsichtig optimistischem Blick voraus - zum Sieg der Damen in Annecy sowie den beiden zweiten Plätzen in Hochfilzen und in Ruhpolding. Als Team, das ist auch die Erkenntnis der Köthenerin aus dieser Saison, ist die Chance auf eine Medaille am größten.

Über ihre Chancen auf einen Einzelmedaille denkt Hildebrand derweil nicht nach. "Alles im coolen Bereich", erklärt sie zur vermeintlichen Aufregung neun Tage vor dem ersten Wettbewerb in Sotschi (9. Februar, Sprint). "Im Endeffekt sind die Rennen dort nichts anderes als ein normaler Wettkampf. Wir kennen die Konkurrenz, die Konkurrenz kennt uns." Und die Konkurrenz weiß spätestens nach ihrem vierten Platz im Einzel von Ruhpolding im Januar, dem bislang besten Ergebnis ihrer Karriere, was sie von Franziska Hildebrand erwarten kann. Das Outfit spielt dabei jedenfalls keine Rolle.