Schönebeck l Reiten, Volleyball, Leichtathletik - das sind die Sportarten, die bei Mädchen oft am beliebtesten sind. Boxen würde man wohl nicht sofort mit dem weiblichen Geschlecht in Verbindung bringen. Tina-Maria Hortig ist das aber egal. Sie boxt seit gut einem Jahr aktiv beim PSV Schönebeck.

Zuvor hatte sich Tina-Maria in "typischeren" Sportarten für Mädchen versucht. Geräteturnen und Leichtathletik hat sie ausprobiert, "aber das war beides nichts für mich", erinnert sich die 15-jährige Schönebeckerin.

Da ihre Eltern öfter zu Boxwettkämpfen gehen, schloss sich Tina-Maria ihnen schließlich einmal an. "Aus dem Fernsehen kannte ich diesen Sport schon gut und fand ihn interessant", erklärt die Schülerin. Das erste Mal, zwei Kämpfer live zu sehen, bestärkte die sie darin, selbst einmal die Boxhandschuhe zu schnüren. Ursprünglich wollte Tina-Maria in Magdeburg boxen, doch "da wären die Fahrtzeiten zu lang gewesen, um Sport und Schule gut unter einen Hut zu bringen". Deshalb nahm sie an einem Schnuppertraining beim PSV Schönebeck teil.

Tina-Maria erinnert sich noch gut, wie sie als einziges Mädchen zwischen all den Jungen stand. "Das war schon ein komisches Gefühl. Außerdem habe ich die ganze Zeit gestrahlt, weil ich endlich an einem Boxtraining teilnehmen konnte." In den Ring ging es selbstverständlich nicht sofort. "Es begann alles mit Seilspringen und Lauftraining", erklärt die 15-Jährige. "Erst danach habe ich die Handschuhe angezogen." Auch diese Erfahrung hat sich bei Tina-Maria eingeprägt. "Die Handschuhe waren ziemlich groß", erinnert sie sich lächelnd.

Mit dem Techniktraining kam Tina-Maria allerdings gut zurecht. Nur mit der richtigen Deckung hatte sie zu Beginn ihre Probleme. "Ich habe sie nicht konstant oben gehalten."

Nun gelingt ihr dies natürlich viel besser. Und dass sie das einzige Mädchen im PSV ist, stört niemanden. "Der Verein ist wie eine zweite Familie für mich geworden", sagt die Schülerin. Mit ihren Vereinskollegen Nico Pfanne und Lex Lorente Fonseca hat sich sogar angefreundet. "Sie sind gute Kumpel geworden." Auch zu ihrem Trainer Frank Käsebier hat sie ein sehr gutes Verhältnis. "Er ist geduldig und versteht es auch, wenn ich mal nicht zum Training kommen kann."

Tina-Maria boxt zwar richtig aktiv erst seit einem Jahr beim PSV, ihr erstes Training fand jedoch schon vor dreieinhalb Jahren statt. "Dann kam aber entweder die Schule immer wieder dazwischen oder ich hatte nicht so recht Lust", gibt sie zu. Jetzt geht sie aber regelmäßig zum Training. "Ich bin sogar richtig traurig, wenn ich in den Ferien nicht zum Üben gehen kann", sagt Tina-Maria. "Dann fehlt mir irgendetwas." Boxen heißt für sie nämlich vor allem Fitness und Stressabbau. "Man trainiert nicht nur Arme oder Beine wie bei anderen Sportarten, sondern hält den ganz Körper fit", erklärt sie. "Und wenn ich mal richtig Wut habe, zum Beispiel nach der Schule, dann kann ich mich am Sandsack richtig abreagieren."

Eine spezielle Technik hat sich Tina-Maria noch nicht angeeignet, allerdings ist ihr rechter Haken schon recht gefährlich. "Außerdem kann ich über Kopfhaken gute Treffer laden." Der linke Haken hat dagegen noch nicht die Durchschlagskraft, die die 15-Jährige auch selbst anstrebt. "Der bleibt noch oft in der Deckung des Gegners hängen."

Wettkampferfahrung hat Tina-Maria noch nicht viel. Ihr erstes richtiges Turnier bestritt die Schülerin am vergangenen Wochenende in Barby beim 12. Febro-Neujahrspokal. Obwohl sie ihren ersten Kampf nach Punkten verlor und darüber "schon sehr enttäuscht war", bleibt ihr dieses Turnier doch in guter Erinnerung. "Ich hatte Angst, dass mich alle auslachen, wenn ich verliere", sagt Tina-Maria. "Aber jeder hat mich nach dem Kampf gedrückt und gesagt, dass sie eigentlich eher mich vorn gesehen haben."

Aufgeben gibt es für sie also nicht. Schließlich hat sie ein großes Ziel vor Augen. "Ich will mal vor großem Publikum boxen, so wie Wladimir Klitschko", verrät Tina-Maria. Dass einige aus ihrem Bekanntenkreis finden, dass Boxen nicht zu Mädchen passt, ist ihr egal. "Das sind vor allem Jungs, die finden, dass Mädchen sich nur mit ihrem Aussehen beschäftigen sollten. So was geht an mir vorbei." Ihre Schulfreundinnen finden es dagegen "cool, dass ich diesen Sport mache". Das Boxen gibt ihr auch Sicherheit und Selbstvertrauen. "Ich weiß, dass ich mich im Notfall verteidigen kann."

Die Unterstützung ihrer Eltern hat Tina-Maria in jedem Fall. "Eigentlich hat meine Mutter ein striktes Verbot von mir, mich zu den Wettkämpfen zu begleiten, weil ich immer zusätzlich nervös bin, wenn sie mitkommt. Aber sie ist trotzdem dabei. Am Ende bin ich froh, dass sie da ist."