Noch geht Geir Sveinsson 532 Kilometer Luftlinie entfernt seiner Arbeit als Cheftrainer von A1 Bregenz nach. Doch mit dem Kopf ist der gerade 50 Jahre alt gewordene Isländer bereits so oft es geht in Magdeburg. Mit dem zukünftigen Trainer des SCM sprach Volksstimme-Redakteurin Janette Beck.

Volksstimme: Als der SCM am Mittwochabend mit dem Heimspiel gegen Hannover in die zweite Saisonhälfte gestartet ist, ging da auch bei Ihnen daheim in Österreich der Puls etwas rauf?

Geir Sveinsson:
Ich war gar nicht zu Hause, wir hatten mit Bregenz um 20 Uhr Training. Als ich dann spät am Abend das Ergebnis auf meinem Handy sah, da war ich natürlich froh, dass alles so gut geklappt hat. Das war ein ganz wichtiges Spiel und ein ganz wichtiger Sieg für den SCM.

Volksstimme: Haben Sie inzwischen auch das Video vorliegen?

Sveinsson: Ja, ich konnte es kaum erwarten, aber seit Freitag habe ich einen eigenen Zugang, so dass ich ab sofort alle Spiele sehen kann. In der Mittagspause habe ich die erste Halbzeit schon mal auf dem Laptop angeschaut.

Volksstimme: Hat Sie die Souveränität des Sieges und das neue Gesicht des SCM überrascht?

Sveinsson:
Der Sieg hat mich nicht überrascht. Nach all dem, was ich inzwischen kenne, habe ich eine Vorstellung, zu was die Mannschaft eigentlich in der Lage ist. Da steckt viel Potenzial drin, und es gab sicher gute und schlechte Gründe, warum sie es in der Hinrunde nicht ausschöpfen konnte. Aber was die Souveränität anbelangt, haben Sie recht: Zehn Minuten vor Schluss neun Tore zu führen - und das gegen einen Gegner wie Hannover, das war dann doch überraschend.

SCM spielt gute 6-0-Abwehr

Volksstimme: Wo sehen Sie die Stärken und wo die Schwächen Ihres zukünftigen Teams?

Sveinsson:
Für eine genaue Analyse ist es noch zu früh, denn nach der langen Verletzungsserie ist ja der Kader jetzt gerade einmal komplett beisammen. Grundsätzlich kann ich aber sagen, dass die Mannschaft fast immer eine gute 6-0-Abwehr spielt. Das ist ganz sicher die größte Stärke. Aber ich glaube, dass trotzdem immer das eine oder andere hier noch besser zu machen geht. Das trifft auch auf den Tempogegenstoß zu, der einige gute Ansätze hat.

Volksstimme: Zur kommenden Saison stehen mit Kreisspieler Bagersted, Torhüter Green und dem Rückraum-Linken Hansen drei Neuzugänge fest - der SCM hat seine Personalplanungen damit abgeschlossen. Gibt es aus Ihrer Sicht noch Handlungsbedarf?

Sveinsson: Aus jetziger Sicht nicht. Soweit ich weiß, haben wir dann 15 Mann unter Vertrag und dazu kommen noch fünf oder sechs junge, talentierte Ergänzungsspieler. Damit ist jede Position doppelt besetzt, und ich sehe keine, wo es klemmt. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass ich kurz vor Saisonende zu der Einsicht komme, da oder dort noch was zu verändern, wäre optimal.

Volksstimme: Fällt es bei all der Zukunftmusik schwer, sich auf Bregenz zu konzentrieren?

Sveinsson: Im Januar schon zu wissen, dass man im Sommer den Verein wechselt, das ist eine neue, ungewohnte Situation für mich. Natürlich konzentriere ich mich zuallererst auf meinen Job in Bregenz, denn dafür werde ich bezahlt. Und die Maßgabe ist es, auf jeden Fall ins Meisterschafts-Playoff der besten acht zu schaffen. Dennoch, der SCM geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich denke aber, das ist menschlich. Wann immer es mir also die Zeit erlaubt, bin ich mit Magdeburg beschäftigt. Das nächste Mal am Mittwoch, wenn das Team bei den Füchsen und meinem Trainerfreund Dagur Sigurdsson aufläuft.

Magdeburg hat in der Handball-Welt einen guten Ruf


Volksstimme:
... und drücken wem die Daumen?

Sveinsson: Natürlich dem SCM. Dagur und ich sind wirklich gute Freunde, wir stammen aus dem gleichen Verein in Island, haben im Nationalteam zusammengespielt, und er war bei A1 Bregenz mein Vorgänger als Trainer. Aber wenn es um den Sport geht, da ruht die Freundschaft. Auf der Platte sind wir Gegner.

Volksstimme: Es heißt, Sie hätten keinen Moment gezögert, als Ihnen das Angebot des SCM vorlag. Waren Ihre Frau und die Kinder auch sofort Feuer und Flamme?

Sveinsson: Wir fühlen uns in Bregenz wirklich sehr wohl. Die Gegend ist toll, die Menschen sind es auch. Aber es ist doch im Leben oft so: Man verliert etwas Gutes, und man bekommt etwas Gutes. Oberstes Gebot ist für uns, dass wir zusammenbleiben. Die Großen studieren in Island, also geht es zu fünft nach Deutschland. In der Handball-Welt hat Magdeburg einen guten Ruf. Aber gerade für mich und viele Isländer ist Magdeburg ein ganz besonderer Ort, hier haben große Idole wie Sigurdsson, Stefansson, Gustavsson oder auch Trainer Alfred Gislasson große Erfolge gefeiert. Wie hätte ich da zögern können ....