Sotschi (dpa) | Ski-Königin Marit Björgen konnte sich nicht so recht über ihr viertes Olympia-Gold freuen, Dario Cologna jubelte nach seinem zweiten Triumph im Zeichen der Fünf Ringe dagegen überschwänglich.

Während die deutschen Langläufer im Skiathlon wie am Vortag die Damen den erhofften Top-Ten-Platz verpassten und sich für Tobias Angerer der Medaillentraum zum Auftakt seiner olympischen Abschiedstournee nicht erfüllte, sank der lange verletzte Schweizer nach seinem Sturmlauf zu Gold überwältigt auf die Knie. "Ein Traum ist wahr geworden. Das zweite Gold nach Vancouver ist etwas ganz Besonderes", sagte Cologna.

Hannes Dotzler war bester deutscher Olympia-Debütant

Angerer konnte die Erwartungen von Töchterchen Karlotta nicht ganz erfüllen. Eine Medaille hatte die Fünfjährige ihrem Papa vorhergesagt, doch dieser Traum erfüllte sich in dem Rennen über jeweils 15 Kilometer in der klassischen und freien Technik nicht. "Ich wollte an einer Medaille schnuppern, denn Olympia ist ein Wettkampf, da zählen nur die Medaillen. Es hat leider nicht geklappt", sagte Angerer. Bester Deutscher war Olympia-Debütant Hannes Dotzler als 13.

Mit seiner Tempoverschärfung am letzten Anstieg düpierte der dreifache Tour-de-Ski-Sieger Cologna, der sich vor drei Monaten beim Joggen sämtliche Bänder im rechten Sprunggelenk gerissen hatte, Vancouver-Sieger Marcus Hellner aus Schweden. Bronze ging an den Norweger Martin Johnsrud Sundby.

Für Ärger sorgte jedoch eine mögliche Behinderung des viertplatzierten Russen Maxim Wylegschanin im Zielsprint durch Sundby. Das russische Team werde innerhalb von 48 Stunden einen offiziellen Protest an den Internationalen Skiverband (FIS) schicken, teilte Russlands Nationales Olympisches Komitee am Abend mit.

Marit Björgen weint nach Sieg im Ski-Langlauf

Dessen Landsfrau Björgen hatte nach ihrem Sieg am Samstag zunächst hemmungslos in den Armen ihrer Mitstreiterinnen geweint. Das Familiendrama ihrer Teamkollegin Astrid Jacobsen, die am Freitag die schockierende Nachricht vom Tod ihres Bruders erhalten hatte, beschäftigte alle in der norwegischen Langlauf-Mannschaft. "Man setzt die Dinge in Perspektive, und der Sport bedeutet nicht mehr so viel, wenn so etwas passiert. Wir wollten für Astrid und ihre Familie kämpfen", erklärte die zwölfmalige Weltmeisterin.

Die 33-Jährige löste Eiskunstläuferin Sonja Henie als erfolgreichste norwegische Olympia-Teilnehmerin ab und avancierte zur ältesten Olympiasiegerin in einem Langlauf-Einzelrennen. "Mich interessieren keine Zahlen und Statistiken", kommentierte sie emotionslos ihren Erfolg vor Charlotte Kalla (Schweden) und Teamkollegin Heidi Weng.

Ein couragiertes Rennen über jeweils 7,5 Kilometer lief Nicole Fessel, die als beste Deutsche den 14. Rang belegte. Die anderen drei deutschen Läuferinnen hatten mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun.

 

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