Sotschi | Zwei Tage nach dem zweiten Olympiasieg von Felix Loch haben die deutschen Damen einen Doppelsieg in der Eisrinne von Krasnaja Poljana gefeiert. Natalie Geisenberger gewann nach einer überragenden Saison mit sieben Weltcupsiegen ihr erstes Olympia-Gold, Tatjana Hüfner belohnte sich für ihren erfolgreichen Kampf gegen ihre Rückenprobleme mit Silber - und erhob danach schwere Vorwürfe gegen den Verband.

Edgar Hüfner riss die Arme jubelnd in den Abendhimmel über Krasnaja Poljana. Seine Tochter Tatjana stieg von ihrem Schlitten, schnappte sich die deutsche Fahne und jubelte leise lächelnd mit dem Publikum. Die Blankenburgerin darf sich über einen kompletten Medaillensatz bei Winterspielen freuen. Sie holte in Turin 2006 Bronze, sie gewann in Vancouver 2010 Gold. Und in Sotschi, im "Sanki Sliding Center", gewann sie am Dienstagabend Silber. Aber zu späterer Stunde war von Freude nichts mehr zu spüren.

Hüfner, die für Friedrichroda rodelt, beklagte sich in der Pressekonferenz 90 Minuten nach dem Rennende über die ihrer Meinung nach Ungleichbehandlung des Bob- und Schlittenverbands im Vergleich zur frisch gekürten Olympiasiegerin Natalie Geisenberger. "Es gab viele Diskussionen im Verband, mir wurde vieles schwer gemacht, und mir wurden viele Steine in den Weg gelegt", sagte Hüfner: "Ich habe den Eindruck, dass eine Natalie Geisenberger deutlich mehr Unterstützung bekommt."

Hüfner unsicher weitere Karriere

Im vergangenen Jahr musste Hüfners Trainer André Florschütz nach Unstimmigkeiten mit dem in Berchtesgaden ansässigen Verband gehen - sehr zum Unwillen der viermaligen Weltmeisterin. Sie habe über zwei Jahre "viel schlucken müssen", auch deshalb sei noch nicht sicher, ob sie ihre Karriere fortsetzen wolle.

Sportlich hatte es Hüfner am Dienstag nicht mehr geschafft, Geisenberger in den letzten beiden Läufen noch abzufangen. Nach ihren Rückenproblemen, die ein Jahr lang ihr Leben mehr bestimmten als eine vernünftige Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt, war wohl auch der athletische Rückstand auf die Miesbacherin zu groß, um die 26-Jährige abzufangen.

Geisenberger hatte zudem den besten Weg durch den Eiskanal gefunden. Die dominante Rodlerin des vergangenen Winters, als sie in Whistler Weltmeisterin wurde, und der Olympia-Saison ist in Sotschi in ihrer eigenen Liga gefahren. Sie gewann letztlich mit 1,139 Sekunden Vorsprung auf Hüfner und mit 1,377 Sekunden auf die Überraschungsdritte Erin Hamlin aus den USA. Anke Wischnewski (Oberwesenthal) belegte zum Abschluss ihrer Karriere einen starken sechsten Platz.

Geisenberger schweigt zur Vorwürfen

"Ich hatte doch ganz schön zu kämpfen mit meinen Nerven. Und es ist noch gar nicht bei mir oben angekommen, dass ich Olympiasiegerin bin", sagte Geisenberger zunächst in der ARD. Später erklärte sie ihr Gefühlsleben im letzten der vier Läufe so: "Ich wollte in der Kurve 17 schon kreischen, das war einfach nur geil. Das kann man dann schon genießen." Auf die Vorwürfe Hüfners reagierte Geisenberger indes kühl: "Dazu kann ich nichts sagen."

Und mit Tobias Wendl/Tobias Arlt sowie dem Ilsenburger Toni Eggert mit Sascha Benecken haben am Mittwoch zwei Doppelsitzer die Chance, das dritte Gold zu holen.(dh/dpa/SID)