Magdeburg/Berlin l Zwei Schritte zurück (erste Halbzeit), einen Schritt vorwärts (zweite Halbzeit) - das brachte den SCM trotz Bestbesetzung bei den Füchsen Berlin nicht zum Ziel. Steffen Stiebler stellte nach dem 24:27-Dämpfer gegen den "SC Heinevetter" fest: "Es liegt noch jede Menge Arbeit vor uns, aber die zweite Hälfte hat auch gezeigt, was möglich ist."

Deutliche Worte hatte auch Interimstrainer Uwe Jungandreas gefunden, dem vor allem der 0:5-Fehlstart und der über weite Strecken sowohl in der Abwehr als auch im Angriff mutlose Auftritt in der ersten Halbzeit mit nur neun Toren missfiel: "Es ist mir schleierhaft, was da in der ersten Halbzeit passiert ist. Wir hatten uns so viel vorgenommen, aber dies dann in einer so pomadigen Art und Weise umsetzen zu wollen, das ist einfach unerklärlich."

Dabei hatte es eigentlich einen guten Plan gegeben, der auf einen möglichen Substanzverlust der Gastgeber durch das schwere Spiel am Sonntag im EHF-Cup gegen Chambery sowie den kurzfristigen Ausfall des Denkers und Lenkers Jaszka (Rücken) fußte. "Wir wollten die Füchse in die Zweikämpfe verwickeln, unseren vermeintlichen physischen Vorteil nutzen. Kjell Landsberg, Michael Haaß oder Fabian van Olphen können ja dagegenhalten, sie hätten keinen Grund gehabt, sich zu verstecken", so der 51-jährige Coach.

Reaktionen kamen zu spät

Dass sein Konzept durchaus zielführend gewesen wäre, wurde in der zweiten Halbzeit deutlich, in der die Magdeburger über den Kampf ins Spiel fanden. Mit einer engagierten Abwehrleistung stellte man die Füchse immer wieder vor Probleme. Bis zur 45. Minute hatten van Olphen Co. sowie Keeper Dario Quenstedt nur drei Tore zugelassen.

"Aber der Ruck kam viel zu spät." 40 Minuten guten und 20 Minuten schlechten Handball zu spielen, diese Rechnung ging nun mal nicht auf. "So kannst du kein Spiel gewinnen, und schon gar nicht bei den Füchsen. Dass wir so den Start verpennen, gleich vier Kontertore kriegen und nach 20 Minuten mit 3:10 hinten liegen, das darf nicht passieren. Denn natürlich kostet es zu viel Kraft, den Rückstand aufzuholen", legte van Olphen schonungslos den Finger in die Wunde. "Ich denke, das ist eine persönliche Sache.

Jeder muss sich selbst erst einmal fragen, was er dazu beigetragen hat. Warum der eine Schritt zu spät kam, man nur halbherzig zugegriffen hat oder der Abschluss zu unvorbereitet kam."

Spiel selbstkritisch aufarbeiten

Was den Kapitän am Tag danach noch immer mit der elften Niederlage gegen die Füchse hadern ließ ("Ich könnte mich in den A ... beißen"), war weniger die One-Man-Show des Silvio Heinevetter (20 Paraden, vier gehaltene Siebenmeter in der zweiten Halbzeit), sondern vielmehr die vergebene Chance beim 17:19 (48. Minute).

"Da hätten wir das Blatt noch zu unseren Gunsten wenden können, und dann mache ich zwei technische Fehler und einen Fehlwurf und trage selbst dafür die Verantwortung, dass die Berliner wieder ein Loch schlagen konnten. Das ist natürlich ärgerlich, aber leider nicht mehr rückgängig zu machen", bedauert der Holländer die Patzer, die "eigentlich untypisch für mich sind".

Einen Tag der Trauer, kritischen und selbstkritischen Aufarbeitung und Analyse gestand der Kapitän sich und seiner Crew zu. "Aber danach muss der Blick nach vorn gehen. Auf uns warten zwei weitere schwere Auswärtshürden mit den Rhein-Neckar Löwen und Lemgo, und da kann nur das Motto sein, die Fehler abzustellen und dass jeder alles gibt, um ein neues Erfolgserlebnis zu haben."