Sotschi | Die deutschen Langläuferinnen landen in der Staffel einen überraschenden Bronze-Coup. Die Männer tragen nach ihrem unglücklichen Auftritt und Platz neun Trauer.

Die überglücklichen Bronze-Mädels feierten im Deutschen Haus ausgelassen ihren olympischen Medaillen-Coup, die Langlauf-Oldies genehmigten sich nach ihrer deprimierenden Staffel-Abschiedsvorstellung ein Frustbier. 24 Stunden nach dem sensationellen dritten Platz der Damen wurden die Herren durch einen unverschuldeten Sturz von Startläufer Jens Filbrich frühzeitig aller Chancen beraubt und gingen als Neunte leer aus. "Heute Abend werde ich mein erstes Bierchen bei den Spielen trinken. Jetzt müssen wir erst mal die Birne wieder freikriegen", kündigte Axel Teichmann mit versteinerter Miene an.

Überraschungsmedaille für deutsche Athletinnen

Nur fröhliche Gesichter gab es bei den deutschen Damen. "Da haben wir die Sache gestern mal wirklich gerockt", stellte Denise Herrmann am Sonntagmorgen mit Ringen unter den Augen fest. In einem spektakulären Rennen über 4x 5 Kilometer hatten Nicole Fessel, Stefanie Böhler, Claudia Nystad und Schlussläuferin Herrmann hinter Schweden und Finnland für die bislang überraschendste deutsche Medaille bei den Sotschi-Spielen gesorgt. Mit dem Gala-Auftritt in der Loipe setzte das Quartett eine Tradition fort: Seit 2002 gab es bei Olympia immer eine Staffel-Medaille. Und eine war immer dabei: Claudia Nystad, die sich mit dem sechsten Edelmetall zur erfolgreichsten deutschen Langläuferin krönte.

Dieser 15. Februar 2014 war aber für alle ein besonderer Tag. Herrmann und Fessel holten jeweils die erste Medaille ihrer Karriere. Und Böhler wurde für den Kampf gegen den Krebs belohnt. "Vielleicht ist das heute eine Gerechtigkeit von oben, vielleicht kommt etwas von dem zurück, womit ich in den letzten Jahren zu kämpfen gehabt habe", sagte die in Ruhpolding lebende Ibacherin. 2012 hatte sie den Schilddrüsenkrebs besiegt. Am Sonntag erklärte sie deshalb: "Die Medaille ist wie ein kleines russisches Märchen für mich."

Deutsches Team mit hohem Rückstand auf Olympiasieger

Die Männer erlebten dagegen eher einen Alptraum. Als Filbrich vom Italiener Dietmar Nöckler nach eigener Aussage "über den Haufen gerannt" wurde, schossen ihm schon auf der Strecke traurige Gedanken in den Kopf. "Im ersten Moment denkt man: Scheiße, das kann doch jetzt nicht wahr sein", berichtete der Frankenhainer.

Danach war das Rennen gelaufen für das DSV-Quartett, dessen Schlussläufer Hannes Dotzler nach 4x10 Kilometern als Neunter mit einem Rückstand von über zweieinhalb Minuten auf Olympiasieger Schweden ins Ziel kam. Die Russen feierten unter dem Beifall von Präsident Wladimir Putin Silber vor den starken Franzosen, die die zweite Langlauf-Medaille in ihrer olympischen Geschichte bejubelten.

Edelmetall hatten auch Filbrich, Teichmann und Tobias Angerer, die am Saisonende ihre Karriere beenden, sowie Schlussläufer Hannes Dotzler im Sinn gehabt. Am Ende blieb nur Frust. "Für mich ist es insofern bitter, als dass ich bei Olympia nie mit der Staffel auf dem Podest stehen konnte. Das ärgert mich am meisten", sagte Teichmann.(dpa)

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