Sotschi I Nur der Domnitzer Andreas Wank hatte es im Vorfeld gewusst und vor allem gesagt: Die deutschen Skiadler holen Olympia-Gold im Mannschaftsspringen. Wank, Marinus Kraus, Andreas Wellinger und Severin Freund verwiesen Österreich und Japan auf die Plätze.

Selbst in seinem glücklichsten Moment bei den Winterspielen in Sotschi hat Werner Schuster weder Ruhe, noch Sachlichkeit verloren. Der Bundestrainer sagte abgeklärt: "Ich bin stolz auf das ganze Team. Wir haben viele Durststrecken überstanden. Es sind viele Mosaiksteine zusammengekommen, dass wir so einen Triumph feiern konnten." Nachdem Severin Freund (Rastbüchl) mit dem vierten Platz von der Großschanze noch das beste Einzelergebnis der Männer erzielt hatte, hat es wie in Vancouver 2010 wieder zu einer Teammedaille gereicht.

Aber dass es nach Silber vor vier Jahren nun Gold sein würde, das wagte sich im Vorfeld nur der Domnitzer Andreas Wank zu prognostizieren. Wank, der am heutigen Dienstag seinen 26. Geburtstag feiert, hat damit sein zweites olympisches Edelmetall in der Mannschaft gewonnen. In der Endabrechung setzten sich Wank, Marinus Kraus, Andreas Wellinger und Severin Freund am Montag in Krasnaja Poljana mit 1041,1 Punkten und 2,7 Zählern Vorsprung vor dem Quartett aus Österreich (1038,4) durch. Bronze ging mit 1024,9 Zählern an die Japaner. Und Wank weinte - wie er damals in Vancouver weinte. "Endlich ist es Gold", jubelte er. "Wir haben alle einen super Job gemacht, einfach phänomenal", erklärte Wank in der ARD.

Der Startspringer, der für den formschwachen Richard Freitag in die Mannschaft gerückt war, legte mit zwei soliden Sprüngen auf 132 und 128 Meter den Grundstein für den ersehnten Gold-Gewinn. Zwei Tage nach seinem überragenden Satz auf 140 Meter im Einzel von der Großschanze lieferte Kraus erneut eine starke Vorstellung und überzeugte mit 136 und 134,5 Metern.

Wellinger, der im Einzel als 45. das Finale verpasst hatte, rehabilitierte sich mit Sprüngen auf 133 und 134,5 Meter. Als letzter deutscher Springer im ersten Durchgang nahm Freund dem Österreicher Gregor Schlierenzauer die entscheidenden Meter ab und brachte die DSV-Adler erstmals in Führung. Mit einem Satz auf 131 Meter sicherte er den Erfolg ab.

Zum dritten Mal nach 1994 und 2002 sind die Deutschen auf das oberste Podest in einem Teamwettbewerb gesprungen. Und nach Carina Vogt bei den Frauen war es das zweite Gold für die Springer bei den Spielen in Sotschi. "Das war ein geiler Wettkampf. Wir waren vorne und haben gezittert. Es ist unbeschreiblich", sagte Wellinger. "Aber wir haben noch genug Energie zum Feiern", ergänzte der glückliche Kraus.

Trotz der verpassten Medaillen in den Einzel-Wettbewerben sind die Aussichten für das deutsche Skispringen durchaus rosig. Freund (25), Wellinger (18), Kraus (23), Freitag (22) und Wank (25) sind noch jung, alle fünf könnten auch 2018 in Pyeongchang mit deutlich mehr Erfahrung an den Start gehen. Ob der Bundestrainer dann noch Werner Schuster heißt, bleibt abzuwarten. 2015 steht in Falun die WM auf dem Programm, bis dahin läuft der Vertrag des Österreichers.(dh/dpa/SID)

 

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