Sotschi (dh/dpa) | Langsam kribbelt es im Körper von Marko Hübenbecker. Lange genug hat er auf den Moment gewartet, bis auch er um eine Medaille kämpfen darf. Der Hüne vom Mitteldeutschen Sportclub (MSC) war einer der ersten deutschen Athleten überhaupt, die ihr Zimmer im olympischen Dorf bezogen hatten. Zwischenzeitlich spannten die Bobsportler in Istanbul (Türkei) aus. Nun steigt Hübenbecker am Sonnabend und Sonntag in den Viererbob von Maximilian Arndt (Oberhof). "Die Spannung steigt", erklärt Hübenbecker.

Der 27-Jährige war eigentlich so früh in die Schwarz-Meer-Region gereist, um sich auf den Zweier-Wettbewerb vorzubereiten. Mit Arndt sollte er am Montag um eine Medaille kämpfen, an die nach der Weltcupsaison ohne Podium allerdings niemand geglaubt hatte.

Hübenbecker: Deutsche Vierer sind wettbewerbsfähig

Arndt wurde dann von Alexander Rödiger angeschoben. Beide belegten Rang 15 beim schlechtesten Abschneiden deutscher Piloten seit 1956, das mit Francesco Friedrich (Oberbärenburg) als Achter den besten Starter des Bob- und Schlittenverbandes (BSD) hatte. "Dass ich nicht gefahren bin, war eine teaminterne Entscheidung", berichtet Hübenbecker. "Ich bin fit. Und trotz der Ergebnisse im Zweier ist die Stimmung in der Mannschaft gut. Alle freuen sich auf den Vierer-Wettbewerb."

Sich dafür zu motivieren, sei auch nicht schwer. Mit dem Sieg im Vierer-Gesamtweltcup hatten Arndt und Crew bereits ihre Ambitionen auf eine Olympia-Medaille unterstrichen. "Ich brenne auf meinen Einsatz", betont Hübenbecker. Optimistisch stimmt nicht nur ihn, dass die Qualität der deutschen Viererboote auch wettbewerbsfähig ist - im Gegensatz zum Zweier.

FES kritisiert Einstellung von Athleten und Trainern

Die jüngsten Ergebnisse der Deutschen sorgten derweil für das große Brodeln in Boblager. Die jahrelangen Querelen bei der Zusammenarbeit zwischen Cheftrainer Christoph Langen und der staatlich geförderten Materialschmiede FES wurden nach dem historischen Debakel am Montag offengelegt. "Die FES schimpft über uns, wir über die auch. Da gibt es eben mal Streitigkeiten", versuchte Langen die Diskrepanzen runterzuspielen. "Wir sind die Praxis, sie sehen die Theorie. Doch wir kämpfen alle um das gleiche Ziel."

FES-Direktor Harald Schaale sah das Desaster kommen: "Die Bob-Projekte stehen unter Führung des Verbandes, wir hätten einige Dinge anders gemacht", sagte Schaale. "Jeder muss seine eigene Einstellung überprüfen und sich fragen, ob er wirklich alles für das Projekt getan hat. Damit meine ich alle - Athleten, Techniker, Bundes- und Heim-Trainer." Immerhin verbuchten die Deutschen dank FES-Technologien schon elf Olympiasiege. Eine Tradition, die auch Marko Hübenbecker gerne fortsetzen möchte.

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