Neuer Name, altes Modell: Mit der Gründung eines "Perspektivteams 2016" besinnt sich der SCM auf das, was ihn einst ausgezeichnet und auch stark gemacht hat - den eigenen Nachwuchs. Fortan werden sieben Talente von Youngster-Trainer Bennet Wiegert gesondert unter die Fittiche genommen.

Magdeburg l "Talenteschmied" Bennet Wiegert ist sich im Klaren, dass der SCM mit dem Perspektivteam "nicht das Fahrrad neu erfinden, sondern sich lediglich Altbewährtes in Erinnerung rufen musste". Denn über Jahre hinweg galt das sogenannte "Magdeburger Modell" im deutschen Handball als vorbildlich, war es den Magdeburgern doch mit dem System zur gezielten Förderung im Nachwuchsbereich lange Zeit gelungen, zahlreichen Talenten zum Sprung in die erste Mannschaft zu verhelfen. Und nicht zuletzt sprach auch die stattliche Zahl von Meistertiteln für das Erfolgsrezept: Seit 1991 war der eigene Nachwuchs in der A-Jugend 10-mal und bei der B-Jugend 6-mal das Maß aller Dinge.

Im Jahr 2014 muss allerdings konstatiert werden: Es war einmal ... Nicht nur die Titelserie im Nachwuchs ist längst gerissen. Vorbei ist auch die Zeit der "goldenen Jahrgänge", als Youngsters wie Yves Grafenhorst, Christian Sprenger, Andreas Rojewski oder Christoph Theuerkauf in breiter Front "oben" mitzumischen vormochten. Zuletzt gelang es lediglich Matthias Musche, sich einen Stammplatz im Erstliga-Kader des SCM zu sichern. Von der guten und nicht zuletzt auch kostenintensiven Ausbildung junger Spieler in der Magdeburger Talenteschmiede profitierte fast nur noch die Konkurrenz. So verdienen sich neben den einstigen SCM-Youngsters Theuerkauf und Sprenger aktuell auch Markus Richwien, Fabian Böhm, Patrick Schulze, Martin Ziemer, Christoph Steinert, Dennis Krause, Felix Storbeck, Philipp Weber oder Benjamin Meschke inzwischen bei anderen Erst- oder Zweitligisten ihre Brötchen.

Den negativen Trend will und muss der SCM aufhalten. Und die sportlichen Verantwortungsträger tun dies, in dem sie den Prozess der Neuausrichtung in der "Nach-Frank-Carstens-Ära" vorantreiben und vorerst sieben Spieler mit Bundesligaperspektive langfristig an sich binden (siehe Infokasten). Sie sollen in der kommenden Saison auch den Kern der SCM-Youngsters bilden, die auch in der kommenden Saison in der 3. Liga an den Start gehen werden.

Mit dem Erneuerungsprozess geht allerdings auch ein kräftiges "Aussieben" in der zweiten Reihe einher. So teilte der Verein am Donnerstag mit, dass Felix Hendrich, Niklas Sommermeier geb. Kupfer, Lennart, Carstens, Bert Hartfiel, Tim Ackermann, Maurice Wilke, Sven Vogel, Gordon Kaffenberger sowie Maximilian Rühl kein Anschlussangebot erhalten. Sie müssen sich einen neuen Verein suchen. Um dennoch spielfähig zu sein, werden die Youngsters ab der kommenden Saison mit A-Jugendlichen "aufgefüllt".

Wiegert ist überzeugt davon, "dass der Weg in die Getec-Arena nach wie vor nur über die Gieselerhalle führt". Allerdings erhalte zukünftig die individuelle Ausbildung den Vorzug vor dem kollektiven Mannschaftsergebnis im Jugend- und Anschlussbereich: "Wir wollen die Perspektivkader nicht mehr nur individuell ausbilden, sondern sie sollen durch die permanente Einbindung in den Trainings- und Spielbetrieb des Bundesligateams auch möglichst frühzeitig in der ersten Liga zum Einsatz kommen."