Magdeburg l Klappe, die dritte! Stieglitz vs. Abraham - die Entscheidung: Eine alte Fabrikhalle in Berlin-Kreuzberg. Diffuses Licht bricht sich in großen Sprossenfestern, ein riesiger Metallhaken hängt über den provisorischen Box-Ring. Mit stahlhartem Blick und nackten, durchtrainierten Oberkörpern gehen Arthur Abraham und Robert Stieglitz aufeinander zu. Schnitt, der Weltmeister aus Magdeburg drischt mit bandagierten Fäusten auf einen Sandsack, roter Staub wirbelt auf ... Das ist der plakative Stoff, aus dem die TV-Leute von Sat.1 den 60-Sekunden-Trailer zum "Kampf des Jahres" am Sonnabend (22.45 Uhr live) gedreht haben.

Schminken, Stylen, Absprachen, Ausleuchten der Location, zig verschiedene Kamera-Einstellungen - fast sechs Stunden hat der Dreh am 5. Februar gedauert, berichtet Stieglitz vor seinem fünften Kampf unter Regie seines "Haussenders" Sat.1. Doch dafür habe er gern seine schweißtreibende Vorbereitung auf das erneute Duell mit dem Boxer aus dem Sauerlandstall geopfert: "Allein der gemeinsame Dreh mit Arthur hat 90 Minuten in Anspruch genommen", so der Champion. "Natürlich kommt man sich dabei sehr nah, und auch wenn es um die Show geht, niemand vergisst, glaube ich, dass der andere der Gegner ist, den es in der Stunde der Wahrheit zu bezwingen gilt. Aber dennoch sind wir faire Sportsmänner, die sich gegenseitig Respekt zollen." Da werde bei einem solchen Termin nicht rumgezickt, sondern konzen- triert zusammengearbeitet. "Und Arthur war eigentlich auch ganz locker drauf und hat alles mitgemacht", erzählt Stieglitz. Und das, obwohl zum Schein die Fetzen flogen. Pflichtherausforderer Arthur tönte großspurig: "Man trifft sich immer dreimal ..." Derweil prophezeite ihm Stieglitz ein Waterloo: "Du wirst alles verlieren."

Bevor beide am Sonnabend in der Höhle des Löwen tatsächlich die Fäuste sprechen lassen, treffen Stieglitz und Abraham am heutigen Dienstag im Kulturhistorischen Museum zur obligatorischen Pressekonferenz aufeinander. Da wird der Champion, der sich seinen WM-Gürtel vor einem Jahr in einem spektakulären Kampf von Abraham zurückgeholt hat, noch einmal Selbstbewusstsein und Stärke demonstrieren. SES-Trainer Dirk Dzemski tat dies schon nach Ende des Abschluss-Sparrings am vergangenen Freitag: "Robert hat sich dabei großartig präsentiert. Er ist nicht nur gut drauf, sondern hat uns alle wirklich beeindruckt. Ich muss sagen, mehr geht nicht!"

Aber auch Abraham, der sich in Kienbaum auf das Duell vorbereitet hat, wird sich topfit und wohl auch ohne die üblichen Gewichtsprobleme präsentieren. Wie zu hören war, hat er sogar von der Torte zu seinem 34. Geburtag am 20. Februar "nur ein ganz kleines Stückchen" genascht. Wenn das mal kein großes Opfer ist?!