Samswegen l Der Älteste und der Jüngste in der Samsweger Sporthalle beim Bundesliga-Wettkampf des SSV 1884 gegen Fortschritt Eibau standen am Sonnabend im Scheinwerferlicht. Horst Meyer, langjähriger Vorsitzender des damaligen Bezirks-Fachausschusses Gewichtheben und später Vizepräsident des Verbandes für Gewichtheben und Kraftsport Sachsen-Anhalt, wurde mit einer Ehrenurkunde und einem Schal der Samsweger ausgezeichnet. Der 88-jährige Magdeburger war zu Beginn der 70er Jahre einer der Berater, als die Samsweger Heber ihre ersten Schritte aus einem Hühnerstall in die Öffentlichkeit wagten.

"Wir bedanken uns bei dir für die vielen Jahre der engen Verbundenheit und der weit über das Sportliche hinausgehenden Freundschaft", sagte Samswegens Sportlicher Leiter Wolfgang Weber. Und der Ausgezeichnete erinnerte sich am Rande des Bundesliga-Duells an längst vergangene Zeiten: "Gegen Eibau haben wir schon vor 50 Jahren in der DDR-Oberliga und DDR-Liga gekämpft."

Als Horst Meyer seine Auszeichnung auf der Heberbühne mit einer Träne im Knopfloch entgegennahm, war der Jüngste in der Samsweger Gilde schon zum ersten Mal durchgeschwitzt. Roberto Gutu heißt der junge Mann, ist 13 Jahre alt, bringt 57 Kilo Körpergewicht auf die Waage und trainiert seit einem Vierteljahr in Samswegen.

Der eher zierlich anmutende Gutu kam im Dezember 2013 aus der Hauptstadt Moldawiens, Chinsinau, mit seinen Eltern und seiner Schwester nach Deutschland. Er lebt in Magdeburg und besucht, obwohl er kaum ein Wort Deutsch spricht, die 7. Klasse der Goetheschule in der Elbestadt.

Roberto Gutu galt in seiner Heimat als eines der größten Gewichtheber-Talente. Er ist mehrfacher Landesmeister seiner Altersklasse und gab außer Konkurrenz beim Wettkampf gegen Eibau eine erste Probe seines beachtlichen Könnens. Mit 78 kg im Reißen, 85 kg im Stoßen, einem Zweikampfwert von 163 kg sowie 71 Punkten stellte der Junge seine Begabung unter Beweis. Und obwohl er zweimal an 90 kg scheiterte, war ihm der Applaus der 320 Zuschauer bei seinem ersten Auftritt in seiner neuen Heimat gewiss.

Fünfmal pro Woche, so sein Trainer Lutz Witzel, stemmt Gutu in Samswegen Gewichte. Zum Training chauffiert ihn seine Mutter Tatjana oder sein Mannschaftskamerad Steve Wohl. "Roberto ist ein großes Talent", meint Witzel, "wir wollen ihn als Perspektivkader aufbauen und langfristig für unsere Bundesligamannschaft vorbereiten." Das Training läuft wegen der Sprachprobleme über das Vormachen. Die jeweils zu bewältigenden Lasten schreibt der Coach aufs Papier - sein Schützling stimmt zu oder korrigiert - meist nach oben ...

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