Sakhir (dpa) l Der Auftakt in Australien wird für Sebastian Vettel und Red Bull zu einer Fahrt ins Ungewisse. Die Tests für die neue Formel-1-Saison verliefen phasenweise desaströs, vor dem viermaligen Weltmeister und seinem Rennstall liegt noch ein Berg an Arbeit.

Wichtige Erkenntnisse konnte Red Bull aufgrund der fehlenden gefahrenen Kilometer teilweise aber gar nicht sammeln. "Man darf\'s nicht zu sehr dramatisieren", meinte Vettel, nachdem er und sein Team den Tiefpunkt erreicht hatten.

Der 26-Jährige hatte am Samstag in Bahrain nicht eine komplette Runde absolvieren können. Erst machte die Elektrik Probleme, dann streikte die Mechanik. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir die Probleme bewältigen", zitierte die BBC Red-Bull-Teamchef Christian Horner. "Die Frage ist allerdings, wann und wie schnell."

Immerhin lief es am letzten Testtag besser. Am Sonntagmorgen schaffte Vettel einen sogenannten Longrun über 15 Umläufe; bei der nächsten Ausfahrt tauchten aber wieder Probleme auf. Vettel leistete sich wegen einer defekten Bremsscheibe einen Dreher, wie "Auto, Motor und Sport" berichtete. Seine Bilanz vor der Mittagspause: 44 Runden. Sauber-Mann Adrian Sutil sammelte dagegen 91 Umläufe.

Mit den neuen Autos haben alle Rennställe zu kämpfen. Neue Turbo-Motoren, das hochkomplexe Hybridsystem ERS - die Herausforderungen angesichts der gravierendsten Technik-Zäsur in der Formel 1 seit Jahrzehnten sind vielfältig. Doch den heftigsten Kampf trägt offensichtlich ausgerechnet das Red-Bull-Team aus.

Sehr zuverlässig präsentierten sich hingegen MercedesAMG und Williams, die über die gesamten Tests in Bahrain und Jerez bei den gefahrenen Kilometern ganz oben standen. "Alles in allem waren die Wintertests besser als erwartet", resümierte Silberpfeil-Pilot Nico Rosberg.

Und auch in puncto Geschwindigkeit waren die von Mercedes-Motoren angetriebenen Autos ganz vorne dabei. Williams-Neuzugang Felipe Massa gelang am vorletzten Übungstag mit 1:33,258 Minuten sogar die beste Bahrain-Zeit in diesem Jahr. Trainingsweltmeister habe es allerdings schon viele gegeben, räumte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff schon vor den Fahrten in der Steinwüste von Sakhir in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa ein.

Vettel erlebt vor seiner sechsten Saison bei Red Bull einen Kulturschock. Der Dauerdominator der vergangenen Jahre ist allerdings um Besonnenheit bemüht. "Es ist schon sehr selten, dass ein Fahrer, der die letzten Rennen der Saison beherrscht hat, auch die ersten Rennen der neuen bestimmt, vor allem bei solch gravierenden Änderungen", meinte Vettel vor Ende des letzten Testtags. "Jeder im Team ist aber bereit zu kämpfen."

Das Rennen in Melbourne in zwei Wochen wird der Gradmesser. "Das wird eine Standortbestimmung - einerseits vom Speed, andererseits von der Zuverlässigkeit", sagte Vettel "Auto, Motor und Sport" in einem Interview. "Da sieht man genau, wie viel es noch zu tun gibt und wie schnell man reagieren konnte."