Magdeburg l 7500 Zuschauer in der ausverkauften Getec-Arena und über vier Millionen vor dem Fernseher hatten Samstagnacht einen Boxkampf gesehen, der seinen Eintritt bzw. das Einschalten wert gewesen war. TV-Experte Axel Schulz brachte es auf den Punkt: "Das war ein geiler Kampf und das Beste, was ich seit Ewigkeiten im deutschen Boxen gesehen habe."

In der Tat war Teil III der Trilogie Stieglitz vs. Abraham ein bis zur letzten Sekunde spannender Krimi gewesen. Selbst nachdem der frenetisch angefeuerte und permanent im Vorwärtsgang boxende Lokalmatador 20 Sekunden vor Ultimo nach einem krachenden Aufwärtshaken in die Knie ging, war es noch nicht vorbei. Mit einer unglaublichen Energieleistung raffte sich der wie ein Löwe kämpfende Titelverteidiger auf und taumelte wie in Trance wieder auf Abraham zu, so dass einem Angst und Bange wurde.

Doch auch die letzte Attacke war umsonst: Nicht Stieglitz, der Tüchtigere, sondern Abraham, der Schlauere, erntete den Siegerlorbeer. Der Pflichtherausforderer war augenscheinlich konditionell und athletisch in der Form seines Lebens und von Trainer Ulli Wegner taktisch hervorragend eingestellt: "Wir haben gewusst, was kommt, Robert kann nicht anders, als nach vorne zu gehen. Darauf war Arthur vorbereitet, und das hat er clever umgesetzt", so der alte Trainerfuchs.

Dessen Schützling, der acht Wochen am Stück im Trainingslager in Kienbaum geackert hatte, war hinterher froh und glücklich, "dass ich meinen Titel zurückhabe, jetzt kann ich endlich nach Hause - Mama macht Bratkartoffeln". Die Niederlage im zweiten Kampf habe mehr geschmerzt, als der finanzielle Verlust: "Der Titel ist mir mehr wert als eine Milliarde Euro. Jetzt kann ich endlich wieder ruhig schlafen."

Stieglitz war dagegen maßlos enttäuscht: "Das Urteil ist Betrug." Sein Gegner habe zwar eine gute Taktik gehabt und sei schwer zu treffen gewesen, weil er "gut drauf war und sich mehr bewegt hat als sonst, aber ich war aktiver, habe mehr gemacht und lag aus meiner Sicht nach vier Runden vorn", so der 32-Jährige nach seiner vierten Niederlage im 50. Profikampf.

Auch Trainer Dirk Dzemski schimpfte wie ein Rohrspatz: "Die ausgeglichenen Runden nicht für den Weltmeister, der zu Hause boxt und den kompletten Kampf macht, zu werten, das geht gar nicht." Als er gehört habe, dass sein Schützling vor der letzten Runde hinten liegen sollte, "fiel ich aus allen Wolken. Da habe ich Robert natürlich noch mal losgeschickt, vielleicht war das ein Fehler."

Abrahams Manager Wilfried Sauerland hatte kein Verständnis für die Empörung der Gegenseite. "Das war ein knapper, aber verdienter Sieg. Man braucht doch nur in die Gesichter der Boxer zu gucken, da weiß man, wer mehr Treffer kassiert hat."

SES-Promoter Ulf Steinforth fühlte sich indes um den Sieg betrogen. "Das Ergebnis spiegelt doch wider, wie knapp das Ding war." Die Niederlage nahm er auf seine Kappe. "Ich hätte bei der Besetzung der Jury nicht so blauäugig sein dürfen und gegen das faule Ei intervenieren müssen." Demonstrativ stellte er sich hinter sein bestes Pferd im Boxstall: "So ist der Sport. Robert ist mit 32 Jahren nicht weg vom Fenster, er kommt wieder. Im Boxen ist alles möglich. Ein vierter Kampf gegen Arthur ist ebenso denkbar wie ein Kampf gegen Felix Sturm."

   

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