Magdeburg l Als erste Aktion hat Ulf Steinforth dem entthronten Weltmeister nach dem Großkampftag "vier Wochen Urlaub" verordnet, den Robert Stieglitz mit seinem Bruder und der aus Kuba stammenden Schwägerin auf der Karibikinsel verbringen will. "Robert hat eine gigantische Leistung abgeliefert. So ein Kampf geht natürlich nicht spurlos an einem vorüber", weiß Steinforth um die geleistete Schwerarbeit für Körper und Seele. "Er ist zwar ohne nennenswerte Verletzung aus dem Kampf rausgekommen, es geht ihm gut und er kann inzwischen auch wieder lachen, aber dennoch hat Robert zwölf Runden Vollgas gegeben." Und nicht nur das, auch mental müsse das Ganze erst einmal verarbeitet werden, "gerade nach der Art und Weise des Ausgangs".

Auch Steinforth selbst musste eine zweite Nacht über alles schlafen, "um runterzukommen". Doch auch am Montag blieb er bei seiner Grundaussage: "Ich wäre ein schlechter Chef, wenn ich jetzt auf einmal sagen würde, dass Robert zurecht seinen Gürtel abgeben musste." Er müsse zwar das Urteil der Punktrichter als Tatsachenentscheidung akzeptieren, "und das tun wir auch, genauso wie ich anerkenne, dass Arthur Abraham eine Top-Leistung gezeigt hat. Aber ich sehe uns auch mit zwei Tagen Abstand nicht als Verlierer, sondern knapp vorn", beharrt der Magdeburger auf seinem Standpunkt.

Dass zwischen seiner Wahrnehmung und jener des britischen Punktrichters Paul Thomas, der 115:110 für den Herausforderer gepunktet hatte, "Welten" lagen, konnte der Promoter nicht nachvollziehen: "Es will einfach nicht in meinen Kopf, dass der Boxer, der aktiver ist, mehr schlägt und auch nachweislich Wirkungstreffer erzielt hat, deutlich schlechtere Karten hat als ein Herausforderer im Rückwärtsgang."

Auch SES-Chefcoach Dirk Dzemski bleibt bei seiner Einschätzung: "Klar haben Abraham und Wegner einen guten Job gemacht, aber Robert hat nicht gegen sie, sondern gegen die Jury verloren." Die Punktrichter hätten mit ihren Rundenbewertungen und der Ringrichter mit seiner Konzessionsentscheidung nach der Verwarnung für Abraham "unsere Taktik kaputtgemacht", klagte der Coach, er habe seinen Schützling nicht so boxen lassen können, wie es geplant war. "Ich hatte immer wieder die Info, dass wir hinten lagen. Ich konnte Robert einfach keine Ruhepause gönnen, sondern musste immer wieder auf Angriff schicken. Am Ende war er tot und ist in das Ding reingelaufen. Natürlich trübte dieser Niederschlag das Ganze noch zusätzlich."

Trotz der bitteren Niederlage glaubt Steinforth, dass "Robert schneller zurück ist, als es manchen lieb ist". Seiner Meinung nach würde der Ex-Champion "nur zwei, drei Plätze in der Rangliste nach unten fallen, und dann heißt es Attacke". Bei Abraham war es ähnlich, nur elf Monate nach seiner Niederlage war er Ranglistenerster und wurde von der WBO zum Pflicht- herausforderer ernannt: "Wir werden es ähnlich machen. Der nächste Kampf wird gleich einer um den Interconti-Titel, und dann werden wir sehen. Mittelfristig schließe ich weder einen erneuten Kampf gegen Abraham noch einen gegen Felix Sturm aus."

Die Partnerschaft mit Sat.1 gehe auf jeden Fall weiter, bekräftigte Steinforth: "Wir haben einen Vertrag, und ich gehe fest davon aus, dass Roberts Kämpfe weiter auf Sat.1 zu sehen sein werden." Der Sender selbst hatte die Quote vom Samstagabend als "hervorragend" bezeichnet. Im Schnitt hatten 4,20 Millionen Zuschauer den WM-Fight verfolgt, in der Spitze gar 4,74 Millionen. Der Marktanteil lag in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen bei 23,9 Prozent. Im Vergleich zur letzten Titelverteidigung von Stieglitz gegen den Nigerianer Isaac Ekpo im Oktober in Leipzig (12,6 %) wurde der Marktanteil somit fast verdoppelt.