Köthen l Pokljuka also. Auftakt des Saisonausklangs. Drei Rennen stehen beim Weltcup in Slowenien ab diesem Donnerstag an: Sprint, Verfolgung, Massenstart. Drei Rennen auch für die Biathletin Franziska Hildebrand aus Köthen. Sie sagt: "Wir wollen noch einmal gute Ergebnisse erzielen." Wir, das sind die Damen des Deutschen Skiverbandes (DSV), die bei den Olympischen Spielen in Sotschi medaillenlos geblieben waren. Wir, das sind also die Enttäuschten, die aus zwei desaströsen Wettkampfwochen im Kaukasus zurückgekehrt waren. "Der Frust sitzt doch ziemlich tief", erklärte Hildebrand nach ihrer Ankunft in der Heimat, wo sie vergangene Woche ein paar Tage Entspannung suchte - und sich im Vergessen übte.

Platz 38 im Einzelrennen über 15 Kilometer, Platz 29 im Massenstart, Platz elf in der Staffel: Die Bilanz bei ihren ersten Winterspielen hatte sich die 26-Jährige natürlich völlig anders vorgestellt. Aber mitten in der zweiten Woche in Sotschi, ihrer eigentlichen Wettkampfwoche, legten die schlimmen Nachrichten aus Deutschland und aus ihrem Team einen Schatten über die Spiele.

Die Nachricht vom Freitod der großen Biathlon-Hoffnung Julia Pieper aus Winterberg, die an Depressionen litt, "hatte uns alle geschockt", wie auch die die Nachricht von der positiven Dopingprobe Evi Sachenbacher-Stehles alle geschockt hatte, erinnerte sich Hildebrand und seufzte dann ihr Fazit traurig ins Telefon: "Es war in jeglicher Hinsicht eine bescheidene Woche." Auch sportlich: Erst überrollten sie im Einzel Schwindelgefühle und Krämpfe, dann schoss sie im Massenstart zu oft daneben - dann folgte das Staffel-Unglück.

"Wir waren davon überzeugt, dass wir aufs Podest laufen können." - Franziska Hildebrand

Wenn sie sich Hoffnungen auf eine Medaille machen durfte, dann gerade mit der Staffel. Darauf hatten sich letztlich alle fokussiert, auch Andrea Henkel, die 36-Jährige, die nach dieser Saison ihre Karriere beendet. "Andrea und ich waren noch am Abend vor dem Rennen davon fest überzeugt, dass wir auf das Podest laufen können." Die Sotschi-Geschichte ist bekannt: Franziska Preuß, das Nesthäkchen, stürzte als Startläuferin zweimal unglücklich auf der ersten Runde, wechselte mit mehr als drei Minuten Rückstand auf Henkel. Hildebrands Olympia-Premiere endete dann einsam als dritte Läuferin: "Ich hatte niemanden mehr vor mir."

Olympia ist längst Geschichte. Nun also Pokljuka. Und es folgen noch Kontiolahti (Finnland/12. bis 16. März) sowie Oslo (Norwegen/19. bis 23. März). Der Abschied von und für Andrea Henkel. Hildebrand hat die Chance, im Gesamtweltcup noch in die Top-Zehn zu fahren. Derzeit liegt sie auf Platz 13.

Und was kommt dann? "Urlaub." Bahamas, Dubai, Schiff, Strand, Insel - alles egal. "Ich habe noch nichts gebucht", sagte sie. "Irgendwo weit weg und auf jeden Fall ins Warme." Dort, wo es sich leichter vergessen lässt.

Und dann? "Dann habe ich vier Jahre Zeit, um mich auf die nächsten Winterspiele in Pyeongchang 2018 vorzubereiten", blickte Franziska Hildebrand voraus. Und auf dem Weg dahin hat sie zudem bei drei Weltmeisterschaften die Chance, nach einer Medaille zu greifen.