Magdeburg/Kiel l (jb) Sensationeller Punktgewinn des SCM beim THW Kiel: 58 Minuten hatte die Mannschaft von Trainer Uwe Jungandreas das Spiel in der Sparkassen-Arena in der Hand, in der ersten Hälfte lagen van Olphen Co. sogar sechs Tore in Führung. Und doch hatte der Rekordmeister beim 27:26 (58.) in Überzahl die Chance, die Partie zu seinen Gunsten zu entscheiden. Doch Robert Weber behielt die Nerven und verwandelte sechs Sekunden vor dem Abpfiff einen Strafwurf zum 27:27 (15:11)-Endstand.

Die Magdeburger, die ohne den zuletzt überzeugenden Abwehrchef Kjell Landsberg (Muskelverhärtung im Oberschenkel) angereist waren, begannen mit Michael Haaß und Fabian van Olphen im Mittelblock. Dennoch war erneut die starke, bewegliche und von der ersten Sekunde an kompromisslos zupackende Abwehr der Schlüssel zum Erfolg. So fanden sich die Kieler in einer ungewohnten Situation wieder: Sie liefen von Beginn an einem Rückstand hinterher.

Auch im Angriff machten die Gäste eine gute Figur und nur sehr wenig Fehler. Das war vor allem ein Verdienst des dynamischen Spielmachers Marko Bezjak, der seine Nebenleute hervorragend, mit viel Überblick und dem perfekten Timing in Szene setzte. Zudem war Torhüter Dario Quenstedt dann da, wenn er gebraucht wurde.

Der THW wirkte derweil behäbig, unkonzentriert und konzeptlos. Nach einem 6:1-Lauf der Magdeburger zum 13:8 - Jure Natek hatte in Unterzahl getroffen, Quenstedt bzw. die Deckung für Ballgewinne und einfache Tore gesorgt - war Ex-SCM-Coach Alfred Gislason an der Seitenauslinie außer sich. Sogar "Mr. Zuverlässig", Filip Jicha, schwächelte. Von 14 Versuchen der Kieler aus dem Feld gingen bis zur 25. Minute nur sechs ins Tor. Die Vier-Tore-Führung des SCM zur Halbzeit war somit völlig verdient.

Was auch immer Gislason in der Pause gesagt hatte, es trug Früchte: Der THW kam wie verwandelt aus der Kabine und setzte die in der 27. Minute begonnene Aufholjagd fort. Nach einem 6:1-Lauf zum 15:16 war Kiel wieder dran (36.). Wenig später war es der nun kaum noch zu haltende Marko Vujin, der mit seinem sechsten Treffer zum 17:17 traf (37.).

Doch wer dachte, die Gegenwehr der Gäste sei gebrochen und das Pulver verschossen, sah sich getäuscht: Sie hielten mit einen 60 Minuten unermüdlich arbeitenden Bezjak als Motor im Angriff und einer in ihrer Aggressivität und Kompaktheit nicht nachlassenden Abwehr dagegen. Und selbst als Kiel beim 21:20 in Führung ging (45.), ließen sich die Magdeburger nicht aus dem Konzept bringen, sondern konterten sogar zum 26:23 durch Weber in Unterzahl (52.).

Mit der Niederlage vor Augen war Jicha plötzlich in Alarmbereitschaft und erzielte mit einem Doppelpack den 26:26-Ausgleich, Gudjon Valur Sigurdsson legte nach. Doch als es darauf ankam, zeigte Siebenmeterschütze Weber, der kurz zuvor noch unglücklich an Keeper Andreas Palicka gescheitert war, aus welchem Holz er geschnitzt ist ...

SCM-Manager Marc Schmedt war überaus zufrieden: "Endlich haben wir gezeigt, dass wir auch auswärts bei einem Großen mithalten können. Mich hat vor allem beeindruckt, dass wir, auch als es eng wurde, den Kopf oben behalten haben."

Tore Kiel: Vujin 8/1, Jicha 6/3, Ekberg 3, Palmarsson 3, Klein 2, Sigurdsson 2, Zeitz 2, Wiencek 1

Tore Magdeburg: Weber 7/4, Natek 5, Jurecki 4, Kneer 3, Rojewski 3, Bezjak 2, Grafenhorst 1, Haaß 1, van Olphen 1

Schiedsrichter: Fleisch/Rieber. Siebenmeter: Kiel 6/4; SCM 5/4. Zeitstrafen: 2/6. Rote Karte: Gebala (SCM/60.)