Magdeburg l Natürlich war die Freude nach dem Abpfiff groß, denn wie so oft im Handball war an diesem Abend in der Kieler Sparkassen-Arena alles möglich. Sogar ein Sieg des THW war nicht ausgeschlossen. Wobei das allerdings den Spielverlauf komplett auf den Kopf gestellt hätte und ein doppelter Punktgewinn des von der fünften bis zur 58. Spielminute hinten liegenden Gastgebers alles andere als verdient gewesen wäre. Und so war es nur allzu verständlich, dass sich die Anspannung der Magdeburger nach dem Ausgleichstreffer durch Robert Weber sechs Sekunden vor Ultimo in einem Freudentänzchen entlud.

"Doch schon in diesem Moment habe ich mich geärgert", gestand Weber am Tag danach. "Wir hätten nicht nur der verdiente Sieger sein können, sondern müssen, denn wir waren die klar bessere Mannschaft und haben den Kielern das Spiel diktiert", stellte der Rechtsaußen selbstbewusst fest. Dass er im entscheidenden Moment Nerven wie Drahtseile und mit dem verwandelten Siebenmeter zum 27:27 einen Punkt festgehalten hatte, fand er nicht besonders erwähnenswert: "Das war ja ein Siebenmeter wie jeder andere. Meine Trefferquote vom Punkt ist ja nicht die schlechteste, also war ich relativ entspannt. Ich habe mir keinen Kopf gemacht und nicht groß überlegt, sondern mir nur gesagt: So, das Ding muss jetzt rein! Fertig. Aus."

Spielentscheidender und damit der Rede wert war für den siebenfachen Torschützen, "dass wir uns auch nach ein paar fragwürdigen Pfiffen gegen uns oder zwei, drei Gegentoren in Folge nicht haben unterkriegen lassen. Das zeigt schon, dass wir gewachsen sind. So gesehen war der Punktgewinn ganz wichtig für die Moral. Und wir konnten in einem TV-Spiel endlich mal zeigen, welches Potenzial wir haben, wenn alle da und fit sind. Dann haben wir nämlich eine schlagkräftige Truppe, die auch vorne mithalten kann."

Zufrieden war auch Trainer Uwe Jungandreas: "Es war ein packendes Spiel, und ich bin sehr zufrieden mit dem Punktgewinn. In den ersten 30 Minuten haben wir richtig gut gespielt mit einer aggressiven Abwehr." Danach hätten seine Jungs den Vorsprung ein bisschen zu schnell hergegeben. "In der zweiten Hälfte wäre das Spiel deswegen fast gekippt, aber wir haben den Kopf oben behalten und sind so zum verdienten Ausgleich gekommen", so der Coach, der seine Mannschaft mit einem trainingsfreien Tag belohnte:

Lob hatte aber auch der Trainer verdient, der seine Mannschaft so eingestellt hatte, dass alle Rädchen perfekt ineinandergreifen konnten. Das wusste auch Manager Marc Schmedt zu würdigen: "Das war ein geschlossener Auftritt und eine sehr gute Leistung. Alle Achtung, was Uwe Jungandreas in der kurzen Zeit aus der Mannschaft rausgekitzelt hat."

Auch Weber sieht im Trainer einen Vater des Erfolges: "Er hat uns aus dem alten System rausgeholt und für frischen Wind gesorgt. Entscheidend ist, dass Uwe uns die Freiheit zur Selbstverwirklichung lässt. So hat die Abwehr den richtigen Zugriff bekommen und dann funktioniert auch gleich das Zusammenspiel mit den Torhütern besser."