Frage: Timo Boll, gehen Sie die German Open in Magdeburg ausgeschlafen an oder hält Sie Ihre Tochter Zoey Malaya nachts auf Trab?
Timo Boll: (Lacht) Wir haben da eine sehr humane Tochter. Das meiste macht natürlich meine Frau, nachts bin ich da eher außen vor.

Frage: Die Geburt Ihrer Tochter hat also Ihr Leben nicht auf den Kopf gestellt?
Boll: Natürlich hat sich unser Leben verändert, aber ich hätte es mir extremer vorgestellt. Wir sind einfach glücklich über dieses schöne neue Leben. Sportlich hat sich für mich nichts verändert, ich habe keine Motivation verloren. Ganz im Gegenteil: Ich arbeite hart, damit sich meine Tochter nicht für mich schämen muss.

Frage: International machen Sie sich derzeit rar, die German Open sind das einzige internationale Turnier vor der Team-WM Ende April in Tokio. Lassen Sie es etwas ruhiger angehen?
Boll: Auf keinen Fall. Bis zur WM habe ich kein freies Wochenende. Ich brauche diese Menge an Wettkämpfen, um eine gewisse Basis zu bekommen. Dass ich ab und an ein Turnier auslasse, geht vielleicht auf Kosten der Weltrangliste, aber es ist für mich die einzige Möglichkeit, die richtige Balance zwischen Training und Wettkampf zu finden.

Frage: Die deutsche Nummer eins in der Weltrangliste ist nun Dimitrij Ovtcharov. Wurmt Sie das?
Boll: Nein, im Gegenteil! Das ist eine tolle Situation für mich, da ich mich auch mal an ihn dranhängen kann. Es motiviert mich, mich im Training zu quälen. Ehrlich gesagt ist dieses interne Duell derzeit motivierender als der Kampf gegen China. "Dima" ist auf meinem Niveau, hat mich jetzt schon ein paar Mal geschlagen. Aber wenn ich bei 100 Prozent bin, kann ich es auch bei großen Turnieren noch weit bringen.

Frage: Im Sommer spielen Sie wieder in Chinas Superliga. Nehmen Sie Ihre Familie mit?
Boll: Nein, das ist nicht geplant. Ich werde aber sicherlich ein paar Mal zwischendurch nach Hause fliegen. Das müssen wir klären, wenn der Spielplan draußen ist. Vielleicht lasse ich auch mal ein Spiel aus. Das ist mir meine Familie wert.

Frage: Eine ganz andere Herausforderung hatten Sie kürzlich gegen einen Roboter zu bewältigen. Wie war das für Sie?
Boll: Das gesamte Projekt hat richtig Spaß gemacht. Im finalen Film ist aber auch eine hohe Animationskunst erkennbar. Es ist trotzdem schon faszinierend, wie schnell und präzise der Roboter agieren kann. Im Training ziehe ich es aber doch vor, gegen menschliche Gegner zu spielen.

Frage: In Magdeburg sind Sie bei den German Open nicht zum ersten Mal. Haben Sie schon etwas von der Stadt gesehen?
Boll: Leider nur sehr wenig. Ich bin zum Glück immer sehr weit gekommen und habe mich voll auf Tischtennis konzentriert. Aber ich war mit meiner Frau mal auf einen Einkaufsbummel unterwegs.

Frage: Welche sportlichen Ziele haben Sie bei den German Open?
Boll: Für uns ist so ein großes Turnier im eigenen Land immer ein Highlight. Ich hoffe, dass ich weit komme und gegen die Besten spielen kann. Das ist vor der WM ein richtiger Härtetest und ich hoffe, schon WM-Niveau zu haben. Das ist mir lieber, als mit einem kleinen Fragezeichen nach Tokio zu reisen.