Magdeburg l Nach einem Zwischenspurt in der Vorbereitung auf das Auswärtsspiel des SC Magdeburg am 29. März beim TuS Nettelstedt-Lübbecke hat SCM-Trainer Uwe Jungandreas Miachel Haaß und seinen Teamkollegen ein verlängertes Wochenende verordnet. Doch nicht jedem werden die drei Ruhetage willkommen sein, denn sie lassen auch viel Zeit und Raum zum Insichgehen und Grübeln.

Und sich "den Kopf darüber zerbrochen, warum im Angriff absolut der Wurm drin ist", hat der 30-jährige Mittelmann, der im Sommer von Göppingen gewechselt und in der Hinrunde zweimal durch Verletzungen weit zurückgeworfen wurde, in den letzten Wochen zur Genüge.

"Ich habe mit Sicherheit schon bessere Zeiten erlebt und weiß selber, dass ich die Erwartungen, die bei meiner Verpflichtung in mich gesetzt wurden, bislang nicht erfüllen konnte - vor allem im Angriff. Das beschäftigt mich natürlich, denn ich bin nicht der Typ, der Verletzungen vorschiebt oder nach anderen Ausreden sucht, wenn es nicht läuft. Sondern ich fange mit der Kritik zuerst bei mir selbst an", so der Weltmeister von 2007, der auf der Spielmacherposition nach der Leistungsexplosion von Marko Bezjak nicht mehr erste Wahl ist und fast nur noch in der Abwehr seinen Mann steht. Das allerdings vorbildlich und zuletzt auch mit recht achtbarem Erfolg.

Haaß sei "für sachliche Kritik immer offen", eine Krise will er sich dennoch nicht einreden lassen: "Mein Pech ist vielleicht, dass ich als Spielmacher eine zentrale Funktion habe, da fällt es eben auf, wenn was nicht passt." Aber es laufe im Leben eben nicht immer alles nach Plan. "Solche Phasen erlebt jeder Leistungssportler irgendwann einmal, da heißt es: Augen zu und durch." Etwas anderes, als sich aus dem Tief wieder rauszukämpfen, bleibe ihm auch gar nicht übrig. "Jetzt ist Charakter gefragt", nimmt sich der Nationalspieler selbst in die Pflicht.

"In einer solchen Phase ist Charakter gefragt"

Bei der Ursachenforschung ist der Student der Elektrotechnik trotz aller Grübelei nicht fündig geworden: "Wenn ich wüsste, wo das Problem liegt, wäre ich der Erste, der juhu schreien und es sofort abstellen würde. Aber ich habe keine richtige Erklärung dafür, warum mir das Händchen und damit das Selbstvertrauen im Angriff abhanden-gekommen ist", rätselt Haaß.

Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass er nach acht Monaten noch immer nicht richtig in der neuen Heimat und dem neuen Arbeitsumfeld angekommen ist. Doch dieses Argument fegt er genauso vom Tisch wie das Gerücht, er wolle seinen Vertrag bis 2016 vorzeitig auf den Prüfstand stellen: "Ganz im Gegenteil, ich kann mir sogar vorstellen, noch länger hier zu bleiben. Meine Freundin Anke und ich, wir fühlen uns hier sauwohl." Magdeburg sei aller Unkenrufe zum Trotz "eine grüne Stadt mit vielen schönen Ecken, wo es sich aushalten lässt".

Und auch in der Mannschaft habe er schnell seinen Platz gefunden. "Sie ist vollkommen intakt und die Stimmung super. Das hat mir das Eingewöhnen sehr leicht gemacht. Und welches Potenzial tatsächlich im Team steckt, wenn alle gesund sind, konnten wir ja zuletzt beweisen." Was zur vollsten Zufriedenheit jetzt noch fehle, sei, "dass endlich auch im Angriff der Knoten bei mir platzt".

Das hofft auch der Trainer, für den der "Regisseur a.D." derzeit ein Buch mit sieben Siegeln ist. Jungandreas: "Was Einstellung, Trainingseifer, Kampf, Wille und Kommunikation anbelangt, ist Michael absolut vorbildlich. Und auch an der Abwehrleistung gibt es nichts zu kritisieren." Ihm sei ein Rätsel, warum es "im Angriff einfach nicht hinhauen will und seine Aktionen oft unglücklich aussehen. Aber ich bin mir sicher, dass er früher oder später aus dem Tal herauskommt".

Darauf baut auch Bundestrainer Martin Heuberger, der den Druck auf den Spielmacher des DHB-Teams (seit 2006) durch die Rückholaktion von Michael Kraus Mitte der Woche noch zusätzlich erhöht hat. "Es ist offensichtlich, dass Michael Haaß momentan im Verein nur sehr wenig Einsatzzeiten im Angriff bekommt." Er habe seine Stärken in der Abwehr, "aber er weiß auch, dass Leistung zählt und dass wir für die wichtigen Playoffs gegen Polen Qualität im Angriff und einen schlagkräftigen Mittelmann brauchen." Dennoch werde Haaß bei den nächsten Testspielen gegen Ungarn seine Chance im Angriff bekommen, so Heuberger, "und ich hoffe, er wird sie nutzen und gewinnt so sein Selbstvertrauen zurück".