Samswegen l Wie ein roter Faden zogen sich beim Bundesligisten SSV Samswegen Besetzungsprobleme durch die 23. Bundesliga-Saison. Und auch beim letzten Heimkampf zeigten sich tiefe Sorgenfalten auf der Stirn des Sportlichen Leiters Wolfgang Weber, noch ehe der erste Heber die Bühne in der Samsweger Sporthalle betreten hatte.

Der Grund: Samwegen bekam an diesem Abend nicht einmal eine vollständige Mannschaft zusammen, denn den gerade erst von einer Knieverletzung genesenen Christopher Reinhardt rief bei einem Polizei-Einsatz die Dienstpflicht. Ersatzfrau Judy Witzel musste mit einer Grippe passen. Zu allem Unglück erreichte Weber zwei Stunden vor Wettkampfbeginn auch noch Nachricht, dass Angelo Bahrendt, der als "Feuerwehrmann" kurzfristig in die Bresche springen wollte, einen Motorradunfall hatte. "Ich weiß auch nicht, was wir verbrochen haben, aber in dieser Saison steckte der Wurm drin. Es gab nicht einen Kampftag, an dem wir in Bestbesetzung heben konnten. Und dann bekommen wir es ausgerechnet beim Saisonfinale noch einmal mit der Breitseite", war Weber untröstlich, dem treuen Heimpublikum nicht eine würdigere Abschlussshow bieten zu können.

Als Bahrendt gegen 19 Uhr auf Krücken in die Halle humpelte und zumindest insofern Entwarnung geben konnte, dass "nichts gebrochen, sondern der Fuß nur verstaucht ist", war bereits klar, dass Samwegen mit wehenden Fahnen untergehen würde: Schon im Reißen hatte Speyer gezeigt, wo der Hammer hängt. Und auch im Stoßen gab sich das Sextett aus der zu Rheinland-Pfalz gehörenden freien Kreisstadt keine Blöße. Das Gesamtergebnis von 922 Punkten bedeutete nicht nur Saisonbestleistung für den Ex-Meister von 2011, sondern hatte sogar Final-Niveau. Im ebenfalls an diesem Wochenende ausgetragenen Halbfinale hatte nur der Chemnitzer AC noch mehr Zähler auf dem Konto (956,6).

Als sichere Bänke im Gästeteam erwiesen sich vor den Augen des extra aus Obrigheim angereisten Bundestrainers Oliver Caruso vor allem Jürgen Spieß, Alexej Prochorow und Almir Velagi. Mit Zweikampfleistungen von 375-, 396 - bzw. 410 Kilo stellten sich das deutsche Nationalmannschafts-Trio zwei Wochen vor den Europameisterschaften in Israel bereits in Top-Form vor, sodass Caruso zufrieden die Heimreise antreten konnte: "Das war eine gelungene Generalprobe mit sauberen Leistungen von allen dreien, die EM kann kommen."

Auf diesem hohen Niveau konnte bei den Samswegern nur Ervis Tabaku mithalten: Der Albaner steigerte sich im Reißen auf 167 Kilo und brachte im Stoßen 195 Kilo in die Wertung - das bedeutete mit großem Abstand den Tagesbestwert von 167,0 Punkten. Aber auch die restlichen vier SSV-Heber präsentierten sich "im Rahmen ihrer Möglichkeiten", wie Weber hinterher befand. "Wir haben das Beste aus der vertrackten Situation gemacht und hätten plus einem Christopher Reinhardt in Normalform sogar Saisonbestleitung erreichen können." So gesehen gäbe es, auch was die kommende Saison anbelangt, keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, so Weber. "Zumal das Team voraussichtlich so zusammenbleibt. Wir hoffen auf weniger Pech und noch zwei, drei namhafte Verstärkungen, und dann greifen wir neu an."

Samswegen: Krüger 71,8 kg Körpergewicht/105 kg Reißen/134 kg Stoßen/239 kg Zweikampf/100,0 Punkte; Wohl 77,8/115/140/255/101,0; Winter 77,7/ 124/165/289/135,0; Krümmer 91,3/142/176/318/; Tabaku 99,7/ 167/195/362/167,0 - außer Konkurrenz: Gutin 56,6/80/95/175/87,0