Halberstadt/Leipzig l Wie schnelllebig die (Fußball-)Welt ist, hat die Regionalliga-Partie des VfB Germania Halberstadt am Freitag bei Lok Leipzig gezeigt: Im Stadionheft war ein Interview mit Willi Kronhardt zu finden - noch als amtierender Trainer der Gäste befragt. Im Bruno-Plache-Stadion war Kronhardt aus den bekannten Gründen nicht mehr auf der VfB-Bank dabei. Sein letzter Satz in diesem Beitrag, "wichtig ist, dass wir uns als Mannschaft aus diesem Tal kämpfen", genießt jedoch nach dem 1:1-Remis weiter an Aktualität.

Unter Interimscoach Enrico Gerlach präsentierten sich die Vorharzer durchaus selbstbewusst und zielstrebig. Der 37-Jährige selbst war mit einigen Ambitionen nach Probstheida angereist. Nach dem späten Ausgleich für Lok wechselte er mit Sven Seitz fünf Minuten vor dem Abpfiff noch einen schnellen Offensiven ein. "Klar wollten wir einen Sieg, wir fahren nicht zum Vorletzten eines Unentschiedens willen."

In der Startelf vermisste manch Germania-Vertrauter dennoch Nils Gottschick, der mit seiner Schussstärke und Technik immer für eine Überraschung gut ist. Warum wurde er nicht berücksichtigt? "Wir wollten kompakt stehen", so Gerlach, "per Konter Nadelstiche setzen. Ich habe mich darum mit Maik Georgi auf links und Jan Nagel auf rechts für zwei schnelle Außen entschieden. Teilweise ist uns das geglückt".

Nach Abpfiff war die Germania-Vereinsspitze zufrieden. Vizepräsident Wolfgang Mohr, der erstmals mit auf der Trainerbank Platz nahm, hob später im Lok-Clubraum in gemütlicher Runde das Positive hervor: "Der erste Punkt unter Trainer Enrico Gerlach!"

Dass die letzten turbulenten Tage auch an den Aktiven nicht spurlos vorbeigingen, ließ Gerlach nach Abpfiff deutlich werden: "Das war schon auch für die Köpfe eine Belastung." Um das Ganze besser verarbeiten zu können, gab er dem Team drei Tage bis zum morgigen Dienstag frei.

Dem mitgereisten Präsidenten Olaf Herbst war eine gewisse Erleichterung anzumerken. "In der Nachspielzeit hatte Lok Leipzig die Chance auf das 2:1, darum geht das 1:1 völlig in Ordnung. Die Jungs haben mit ihrer Einstellung Moral gezeigt und bewiesen, dass sie zum Verein stehen. Der Trainerwechsel war die richtige Entscheidung." Herbst will am heutigen Montagabend im Rahmen der Jahreshauptversammlung das turbulente Jahr 2013 noch einmal Revue passieren lassen.