Magdeburg/Lübbecke l "Bartosz Jurecki - Handballgott!!" Die Zwischenrufe von begeisterten SCM-Fans, während der Kreisläufer nach dem Abpfiff in der Merkur-Arena zu Lübbecke ein "Siegerinterview" führte, quittierte er vor laufender Kamera mit einem ganz breiten Grinsen.

Den Lorbeer reichte er wenig später an die Teamkollegen weiter: "Wir waren diesmal eine Mannschaft, jeder hat seinen Job gemacht. Durch die Bank weg, egal wer wann reinkam - es hat alles gepasst." Bestes Beispiel seien die Torhüter gewesen: "Erst hat Dario den Kasten vernagelt, und in der zweiten Hälfte hat dann Gerrie in entscheidenden Phasen wichtige Bälle gehalten", freute sich der polnische Nationalspieler über die Souveränität, mit der die Magdeburger beim Tabellennachbarn die Punkte eingesackt hatten.

Das klare Endergebnis täuschte allerdings ein wenig darüber hinweg, dass die Partie, die aus Gästesicht nach einem 6:0-Blitzstart (12. Minute) und einer Knieverletzung von TuS-Torgarant Drago Vukovic früh in geordneten Bahnen zu laufen schien, bei der 16:15-Führung, für Lübbecke (36.) doch noch zu kippen drohte: Vorausgegangen war ein Tiefschlaf - inklusive vieler technischer Fehler und Schwächen im Abschluss der Magdeburger zwischen der 26. und 36. Spielminute. Diesen hatte TuS zu einem 8:1-Lauf genutzt.

"Wenn der Gegner die ersten zwölf Minuten absolut nichts auf die Reihe bekommt und kein Tor erzielt, kann das schon dazu führen, dass die Konzentration nachlässt und man denkt, oh, das wird aber heute einfach! Aber wir haben einmal mehr gesehen, wie wichtig es ist, 60 Minuten am Ball zu bleiben und Druck in der Abwehr zu machen", ließ Jurecki die Partie Revue passieren. "Mitentscheidend ist, dass wir komplett sind und adäquat durchwechseln konnten. Und, dass wir, als es eng wurde, Ruhe bewahrt und den Kopf eingeschaltet haben", erklärt Jurecki die neue Qualität des alten SCM.

Dieser konnte demnach die Partie über eine starke Abwehr, eine gute Torhüterleistung und konsequent abgeschlossene Tempogegenstöße wieder zu seinen Gunsten drehen - und nach einem Hattrick des blitzschnellen Yves Grafenhorst vom 18:17 (39.) zum 20:17 (41.) sogar den Gegner dominieren (29:21/52).

Auch Trainer Uwe Jungandreas attestierte seinem Team Qualitäten eines Stehaufmännchens: "Wir sind zehn Minuten arg ins Schlingern geraten, weil wir in der Abwehr den Zugriff verloren und im Angriff zu viele Fehler gemacht haben. Doch danach haben wir uns wieder berappelt, sind aufgestanden und nicht eingeknickt. Das war beeindruckend und spricht hoffentlich für eine neue Qualität."

Lübbecke: Blaziko, Semisch, Gustafsson 3, Loke 1, Vukovic, Wilke 1, Langhans, Gabor, Tauabo, Pajovic 3, Niewrzawa 6, Schubert 3/3, Schöngarth 6, Remer 1

Magdeburg: Quenstedt, Eijlers - Kneer 6, Rojewski 4, Musche 4, Landsberg 1, van Olphen 1, Natek 1, Grafenhorst 5, Haaß 1, Weber 4/1, Beziak 1, Oneto, Jureck 2

Schiedsrichter: Immel/Klein. Siebenmeter: Lübbecke 3/3, SCM 1/1. Zeitstrafen: TuS 3; SCM 4.