Weltcup in Mexiko

Frankfurt, Chicago, Houston, Mexiko. Nach einer beschwerlichen Anreise mit dem Flugzeug sind die Freiwasserschwimmer des SCM unversehrt zu ihrem ersten Weltcup in Cancun angekommen.

Am morgigen Sonnabend, 10 Uhr Ortszeit, starten Rob Muffels als einer von fünf Männern des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) und Finnia Wunram als eine der neun DSV-Athletinnen in ihr erstes Saisonrennen über die zehn Kilometer. Allerdings: Es wird unruhig im "Yucatan Channel", der Verbindungsstraße zwischen dem Golf von Mexiko und dem Karibischen Meer. Bei 30 Grad Celsius soll es regnen und zeitweise stürmen.

Das Ergebnis von Cancun sowie vom folgenden Weltcup in Setubal (Portugal) und bei der deutschen Meisterschaft in Hamburg fließt in die Entscheidung zur Nominierung für die EM in Berlin ein. Neben Angela Maurer und Thomas Lurz, beide sind gesetzt, sind bei den Frauen und Männern jeweils zwei Plätze frei. (dh)

Magdeburg l Ein knappes Jahr ist es jetzt her, als Franziska Hentke auf die Frage, warum sie ihren Fokus allein auf die 200 Meter Schmetterling richtet, eine verblüffend deutliche Antwort gab: "Weil ich nichts anderes kann."

Das stimmte damals schon nicht, aber zur Widerlegung dieser Erkenntnis bedurfte es während des Winters einiger Tests: "Franziska ist schon auf der Kurzbahn gute Zeiten geschwommen über die 400 Meter Lagen", erklärt Bernd Berkhahn, ihr Trainer. "Auf der langen Bahn könnte sie in Europa noch etwas weiter nach vorne schwimmen." Deshalb ist nun die Entscheidung im Trainingslager in Font Romeu (Frankreich) gefallen: Die 24-Jährige greift auf ihrer neuen Distanz bei der deutschen Meisterschaft nicht nur im Kampf um den Titel, sondern auch um die Norm für die EM im August in Berlin an.

Hentke will sich für EM Qualifizieren


Auch beim SCM wird schon lange eine Nachfolgerin für die Magdeburgerin Nicole Hetzer und Petra Schneider (SC Karl-Marx-Stadt) gesucht in der "Königsdisziplin", wie Magdeburgs Nachwuchscoach Thomas Ackenhausen die Lagen-Distanz ob ihrer Vielseitigkeit nennt. Hetzer hält seit 2001 den deutschen Rekord auf der Kurzbahn (4:29,46 Minuten), Schneider bereits seit 1982 auf der Langbahn (4:36,10).

Franziska Hentke führt derweil die nationale Jahresrangliste in beiden Becken an: mit 4:38,70 beziehungsweise 4:44,99 Minuten. Letztere Zeit erreichte sie bei der Norddeutschen Langstrecken-Meisterschaft im Februar in der Elbehalle. Damit "stehe ich nur 0,49 Sekunden über der EM-Norm, deshalb gehen wir davon aus, dass ich mich für Berlin qualifizieren kann", sagt sie. Aber dafür muss sie noch einiges tun.

"In drei Disziplinen müssen Leistungssprünge passieren", verweist Hentke nämlich auf Brust- und Rückenschwimmen sowie Freistil, wobei sie an ihrer Kraulstärke sicher am wenigsten arbeiten muss. Damit verändert sich das Trainingsprogramm. "Wir müssen an ihren technischen Fertigkeiten gerade in Rücken und Brust arbeiten, sie muss beim Wechsel schneller in die neue Lage reinkommen", sagt Berkhahn.

Hentkes Spezialstrecke darf nicht leiden


Hentke nennt den Angriff auf ihrer neuen Strecke "ein Herantasten", das am 11. April beim Schwimmfest in Eindhoven in die erste internationale Runde geht. Mit Blick auf die europäische und die Weltspitze meint sie: "Es gibt keine Lagenschwimmerin mehr, die in einer der vier Disziplinen Schwächen hat, da ist mir die Konkurrenz noch um einiges voraus." Die Weltjahresbestenliste führt derzeit Aimee Willmott aus Großbritannien an (4:33,64). Den Weltrekord hält seit Olympia in Peking 2008 Stefanie Rice (Aus- tralien/4:29,45), den Europarekord die Ungarin Katinka Hosszu mit 4:30,31 Minuten (seit 2009).

"Ich würde das Training aber nicht umstellen, wenn darunter die 200 Meter Schmetterling leiden würde", erklärt Hentke, deren Hauptfokus nach wie vor auf ihrer Spezialstrecke liegt. Dass sie diese immer noch am besten beherrscht, hat ihre persönliche Bestzeit von 2:07,74 Minuten gezeigt - aufgestellt beim Gothaer Pokal im März. Am Anfang der Saison also. Da geht noch was.