Nancy (dpa) l Die Entscheidung im Davis-Cup-Viertelfinale zwischen Frankreich und Deutschland fällt erst am Sonntag. Das deutsche Doppel Tobias Kamke und Andre Begemann verlor in Nancy gegen Michael Llodra und Julien Benneteau trotz guter Leistung erwartungsgemäß mit 1:6, 6:7 (5:7), 6:4, 5:7.

Dennoch geht Deutschland mit einer 2:1-Führung in den letzten Tag, nachdem Kamke und Peter Gojowczyk am Freitag ihre beiden Einzel gegen Benneteau und Jo-Wilfried Tsonga überraschend gewonnen hatten.

Am Sonntag trifft Kamke zunächst auf Tsonga, danach spielen Gojowczyk und Benneteau gegeneinander. Allerdings sind Änderungen noch möglich. Letztmals gab Deutschland im Davis Cup eine 2:0-Führung 1995 noch aus der Hand. In Moskau unterlag das deutsche Team vor 19 Jahren, unter anderem weil Michael Stich im letzten Einzel gegen Andrej Tschesnokow nach neun vergebenen Matchbällen im fünften Satz mit 12:14 verlor.

"Das war eines der drei Matches, in denen wir den dritten Punkt holen wollten. Wir sind auf zu starke Franzosen getroffen, haben aber alles gegeben", sagte Kamke im TV-Sender "Sat1 Gold". "Ich werde mich jetzt eine Stunde entspannen in der Umkleide, und dann geht die volle Konzentration auf morgen."

Kamke und Begemann standen im Palais des Sports Jean Weille zunächst auf verlorenem Posten. Besonders Begemann, der das deutsche Duo als Doppelspezialist eigentlich tragen sollte, war die Nervosität bei seinem Davis-Cup-Debüt anfangs deutlich anzumerken. Der 29-Jährige verlor im ersten Satz zweimal seinen Aufschlag, nach gerade einmal 28 Minuten war der erste Abschnitt mit 1:6 futsch.

Im zweiten Durchgang musste das deutsche Doppel zunächst eine Schrecksekunde verkraften. Beim Stand von 3:2 knickte Begemann übel um und verdrehte sich das Knie. Zunächst sah es so aus, als könne der Frankfurter nicht weiterspielen. Doch dann biss er auf die Zähne und spielte plötzlich sogar deutlich besser. "Wenn du da auf dem Platz stehst für Deutschland, dann kommt das Adrenalin", sagte Begemann nach der Partie.

In den entscheidenden Momenten konnten die Deutschen ihre Chancen aber nicht nutzen und gaben den Durchgang im Tiebreak ab. Doch Kamke und Begemann steckten nicht auf. Den dritten Satz holten sie sich mit 6:4, lagen plötzlich auch im vierten Abschnitt mit einem Break vorne. Aber dann verlor Kamke sein Service zu Null, auf einmal waren die 5000 Zuschauer wieder lautstark da. Das deutsche Duo versuchte alles, aber nach 3:26 Stunden nutzten die Gastgeber ihren dritten Matchball.

Arriens hatte bereits am Freitagabend gewarnt, jetzt wie selbstverständlich einen deutschen Sieg zu erwarten. "Es fühlt sich immer noch so an, als sei das Duell kaum zu gewinnen. Die Franzosen werden noch einmal vehementen Widerstand leisten", meinte der Teamchef nach den beiden leidenschaftlichen Auftritten von Kamke und Gojowczyk am Freitag - und wurde bestätigt.

Vor allem der Fünf-Satz-Sieg des Münchner Debütanten Gojowczyk hatte am ersten Tag begeistert. Nach dem besten Spiel seiner bisherigen Karriere war der 24-Jährige im Grand Hotel am Place Stanislas noch viel zu aufgewühlt, um schnell ein Auge zuzumachen. Am Sonntag wird er aber wieder gefordert sein.