Magdeburg l SCM-Trainer Roland Oesemann war am Montag zu Scherzen aufgelegt. Herr Oesemann, lautete die erste Frage, mit dem Sieg ihres Schützlings Marcel Hacker bei der Langstrecke in Leipzig in nur 22:02 Minuten können Sie doch nicht zufrieden sein? "Nein, überhaupt nicht", rief Herr Oesemann, "das war wenigstens drei Sekunden zu langsam." Aber Herr Oesemann, lautete die zweite Frage, dann hat ja die ganze elende Winter-Vorbereitung nicht angeschlagen? "Ja", rief Herr Oesemann, "so viele Verletzungen, unkontinuierliches Training, so kann man nicht leben." Und Oesemann grinste in seinen opulenten Körper hinein.

Dann aber legte der 53-jährige Coach des Magdeburger Vorzeigeruderers den "Spaß beiseite", setzte seine eh schon tiefe Stimme noch eine Oktave tiefer und erklärte: "Marcel liegt vier Wochen früher in der Saison als im vergangenen Jahr, er hat ein souveränes Rennen absolviert in Leipzig, konnte auch auf den letzten 1.000 Metern die Geschwindigkeit noch erhöhen." Auf den letzten von 6.000 Metern. Und Oesemann lächelte darüber überaus zufrieden.

Es war ja nicht nur dieser Sieg am Sonntag, es war schon die Bestzeit tags zuvor auf dem Ergometer, die Hacker mit 5:51,3 Minuten aufgestellt und die Oesemann Freude bereitet hatte. "Ein ganz kontrolliertes Rennen, und er hatte Luft nach oben", stellte der Coach fest. Das galt auch für den Wettbewerb auf dem Saale-Elster-Kanal, wenngleich sein Sieg "nichts über die Konkurrenz mit Blick auf den Frühtest aussagt", weiß Hacker. Zumal sein wohl größter Konkurrent, Philipp Wende (Wurzen), krankheitsbedingt fehlte. Der Frühtest in Köln, zugleich deutsche Meisterschaft und die Weltcup-Qualifikation, ist indes um eine Woche verschoben worden auf den 26./27. April.

In den nächsten zwei Wochen wird Oesemann mit seinen Schützlingen Hacker, Carina Böhlert, Lisa-Marie Reinhardt, Philipp Syring, Max Appel, dem Sieger im U-19-Wettbewerb von Leipzig, und Lena Dankel noch weiter an den Grundlagen arbeiten, bevor es in das spezifische Training geht. "Wir bereiten uns Schritt für Schritt auf die Saison vor, um ein ähnlich gutes oder sogar besseres Turnier bei der Weltmeisterschaft in Amsterdam im August zu fahren als im vergangenen Jahr", erklärte der Coach. 2013 hatte Hacker WM-Bronze in Chungju (Südkorea) gewonnen.

Hacker sieht sich indes bestätigt, "gut über den Winter gekommen" zu sein. "Ich habe Lockerheit und Selbstvertrauen stabilisert, die Anspannung rausbekommen", die ihm in der Vergangenheit zuweilen einen Streich spielte. "Die Basis ist gelegt, jetzt gilt es, gesund zu bleiben", betonte der 36-Jährige.

Gesund will Philipp Syring, der im U-19-Wettbewerb am Sonntag verletzt aufgeben musste, wieder werden. Nach der Untersuchung am Montag wurde die Diagnose gestellt: Verkrampfung des Trizeps, kein Riss. Das sorgte für ein Aufatmen bei Oesemann, denn ob nun Appel oder Syring: "Wir wollen den SCM-Einer bei der Junioren-WM in Hamburg (7. bis 10. August/d. Red.) fahren."