Magdeburg l In Bregenz konnten sich die Verantwortlichen gar nicht retten vor Bewerbern. 30 nationale und internationale Trainer sollen Schlange gestanden haben mit Lebenslauf und Referenzen, um sich als Nachfolger von Geir Sveinsson in Position zu bringen.

Die Österreicher haben sich letztlich für einen Mann aus den eigenen Reihen entschieden, Markus Rinnerthaler, Jugend- und Akademietrainer beim Erstligisten und zugleich Co-Trainer Sveinssons, steigt zur neuen Saison zum Chef am Plattenrand auf. Dazu wurde Robert Hedin, 195-facher schwedischer Nationalspieler, als Berater und Mentor in allen Bereichen geholt. Und in diesen Funktionen sei Hedin "von unschätzbarem Wert", teilte der Verein auf seiner Homepage mit.

Am Beispiel des jungen Rinnerthaler, Jahrgang 1978 und ehemaliger Kreisläufer, zeigt sich zumindest, dass die Zusammenarbeit mit Sveinsson, Jahrgang 1964, auch wertvoll sein kann. Wer nun aber in den Genuss kommen wird, dem neuen SCM-Coach künftig zu assistieren, steht noch nicht fest, bestätigte der Sportliche Leiter Steffen Stiebler am Mittwoch. Sveinsson selbst hatte vergangene Woche erklärt: "Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Ich bin sicher, wir werden eine gute Lösung finden."

Die Lösung Uwe Jungandreas deutet sich jedenfalls nicht an. Jungandreas, Jahrgang 1962, genießt gerade jede Minute als Hauptverantwortlicher des SCM. Allein seine Wahl für die Nachfolge des im vergangenen Dezember beurlaubten Frank Carstens und die jüngsten Erfolge in der Bundesliga sprechen für eine beschäftigungsreiche Zeit nach der Saison. "Mir liegt bereits ein Angebot vor", bestätigte Jungandreas das derzeitige Interesse an seiner Arbeit. Wer das Angebot abgegeben hat, wollte er nicht sagen.

Stiebler weiß zum einen, dass Jungandreas sicher nicht in die zweite Reihe rücken möchte, zum anderen ist auch die Besetzung des Co-Trainer-Postens eine Kostenfrage, solange Carstens und sein ebenfalls beurlaubter Assistent Dirk Pauling auf der Gehaltsliste stehen (bis 2015). Dazu wiederum erklärte Stiebler: "Der SCM strebt derzeit eine Vertragsauflösung an."

Die Lösung Bennet Wiegert deutet sich dagegen eher an, weil er als Jugendkoordinator den Überblick über den gesamten Nachwuchs hat, weil er ein junger und aufstrebender Trainer ist. Und ein erfolgreicher. Mit seinen Youngsters hatte er bis zur jüngsten Niederlage in Bernburg (32:37) elf Siege in Folge gefeiert in der 3. Bundesliga.

"Bennet Wiegert macht das sehr, sehr gut. Er lebt das auch, er vermittelt der Mannschaft den Spaß am Handball, er ist für den Posten genau der Richtige", sagte Stiebler. Deshalb soll der Vertrag mit Wiegert als Youngsters-Coach demnächst auch "langfristig angelegt werden", blickte Stiebler voraus. Ursprünglich hatte Wiegert das Amt bis zum Saisonende als Pauling-Nachfolger übernommen.

Wiegert selbst war am Mittwoch telefonisch nicht zu erreichen. Fest steht allerdings, dass es auch künftig zwischen erster und zweiter Mannschaft viele Berührungspunkte geben wird, nicht nur ob der gemeinsamen Trainingsgestaltung. Bekanntlich soll A-Junior und Rechtsaußen André Czech nach dem Wechsel von Tim Hornke (nach Lemgo) als Alternative zu Robert Weber aufgebaut werden. Ähnliches gilt für Marciej Gebala als dritter Kreisläufer hinter Bartosz Jurecki und Jacob Bagersted.

Andere Kandidaten außer Wiegert kommen eigentlich nicht in den Sinn. Als Carstens im Dezember beurlaubt wurde, "hatten uns sehr viele Berater einen Trainer angeboten", berichtete Stiebler. Auch Trainer, die bislang nur Nachwuchsmannschaften betreut haben. Aber "niemanden, der für uns infrage gekommen wäre".