Oschersleben l Er ist schlank, er ist groß, 1,89 Zentimeter, und zuweilen hat diese Größe geschmerzt. "In den Formel-Autos war es manchmal ziemlich eng", sagt Jens Klingmann, 23 Jahre, der Neue im Pixum-Team Schubert aus Oschersleben, der den Weltenbummler des Rennsports, Jörg Müller (44), in dieser Saison ersetzt. Der Routinier startet für BMW in einer Masters-Serie in Japan.

Jetzt also pilotiert Klingmann den BMW Z4 im Fahrerduo mit Max Sandritter, 25 Jahre. Im neuen Boliden schmerzt Klingmann übrigens nichts, "da habe ich keine Probleme", sagt er. Es ist ein "Supersportwagen" so ganz nach dem Geschmack des ADAC GT Masters, das am 26./27. April in der "etropolis Motorsport Arena" in die neue Saison startet. Und es ist ein "Supersportwagen", den Klingmann bereits bestens kennt. Mit Sandritter hatte er in der vergangenen Saison auf dem Sachsenring einen dritten Platz und einen Sieg herausgefahren. "Den Z4 zu fahren ist fast so schön wie das Fliegen", bestätigt Sandritter, der passionierte Hubschrauberpilot.

Klingmann gehört zu den jungen, schnellen und glücklichen Piloten, die in diesem Jahr mit einem Werksvertrag ausgestattet wurden - und die ihr Hobby damit zum Beruf gemacht haben. Dabei wurde dem gebürtigen Heidelberger vom Vater lediglich das Interesse am Motorsport, aber wohl nicht das fahrerische Talent in die Wiege gelegt. Klingmann stieg mit sechs Jahren in ein Kart, fuhr ab 2005 in der deutschen Formel BMW, danach in der Formel 3, danach in der FIA GT-Serie. 2010 belegte er Rang fünf im ADAC GT Masters. Gerade im vergangenen Jahr fuhr er mal hier, mal dort einen Test oder einen Lauf als Ersatzmann wie auf dem Sachsenring, jetzt aber geht es wieder um einen Titel: "Ich freue mich, dass ich wieder eine komplette Rennserie fahren darf."

Die fährt Dominik Baumann auch in seinem zweiten Jahr für Schubert an der Seite von Claudia Hürtgen, mit 42 Jahren die personifizierte Routine im Team. Und wie für Klingmann hat sich auch für den 21-jährigen Baumann der Traum vom Berufspiloten erfüllt als Werksfahrer für BMW. Der Österreicher fühlt sich damit bestätigt, "meine Ziele Schritt für Schritt gesetzt zu haben". Klingmann "ist absolut glücklich, vielleicht geht es ja noch einen Schritt weiter in das Deutsche Tourenwagen-Masters (DTM) oder in eine amerikanische Rennserie". Für beide gilt letztlich, was Klingmann betont: "Ziel muss eine langfristige Zusammenarbeit mit BMW sein." Die Freude der beiden über das geregelte Einkommen in dem Geschäft ist größer als der Traum von der Formel 1.

Und ihr neuer Status bringt auch so reichlich Herausforderungen mit sich. Baumann sagt: "Jetzt schaut jeder auf dich, du darfst dir keine Fehler erlauben." Klingmann meint: "Jetzt stehst du unter Beobachtung. Du musst in jedem Rennen deine Leistung abrufen" - um die Verpflichtung auch zu rechtfertigen.

Klingmann sprüht eher vor guter Laune als vor Verbissenheit, er sagt: "Ich bin ein relativ gelassener Pilot, aber sehr fokussiert und konzentriert. Ich möchte den Spaß an der Sache nicht verlieren." Vor allem "ist er verdammt schnell", hat sein Cockpit-Partner Max Sandritter festgestellt. Sandritter will in die Top-Drei am Ende der Saison, aber im Grunde kämpfen alle vier Piloten um den Titel. "Im Team herrscht eine große Harmonie", weiß Klingmann. "Wir geben alle auf uns Acht", erklärt Sandritter, "aber man muss als erstes immer das Auto aus dem eigenen Team schlagen, um ganz vorn dabei zu sein."

Ganz vorn wollen auch Hürtgen und Baumann landen. Kleine Fehler haben den Sprung an die Spitze 2013 verhindert, sagt Baumann. "Aber Claudia und ich kennen uns mittlerweile gut, Abläufe haben sich automatisiert." Nur im Detail müssen die letzten Schwächen ausgemerzt werden, sagt Baumann und atmet einmal tief durch, denn dann "können wir hoffentlich, hoffentlich um die Meisterschaft mitfahren."

   

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