Berlin l Großes Brimborium in der Berliner Max-Schmeling-Halle: Die Berliner Handball-Füchse präsentierten den knapp 9000 Zuschauern am Ostersonntag den DHB-Pokal. Es ist der erste Titel in 123 Jahren Vereinsgeschichte, denn auch als Reinickendorfer Füchse hatten die Berliner nie etwas gewonnen. Da lässt man es schon einmal krachen.

"Aber nicht so lange, dass dabei Punkte eingebüßt werden", mahnte Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson. Am Ende fuhren die Berliner dann auch einen 27:22-Sieg gegen Gummersbach ein. "Der Sieg war wichtig, weil wir uns oben in der Tabelle festsetzen wollen, um auch im nächsten Jahr wieder international mitzumischen", erklärt Füchse-Manager Bob Hanning.

Kein Vertrag für Richwien

Der "Handball-Napoleon" (1,68 Meter) marschierte zu Ostern mit geschwollener Brust durch die Arena: "Unser Nachwuchs-Konzept geht auf. Wir haben heute vier 20-jährige Spieler und mit Paul Drux einen 18-Jährigen eingesetzt. Sie haben mich überzeugt. Vor der Zukunft muss uns nicht bange sein."

Zumal zur gleichen Zeit die Füchse A-Jugend den Rookie-Cup gewonnen hat. Der Rookie-Cup ist ein Turnier alle Bundesliga-A-Jugend-Teams.

Allerdings können sich nicht alle Füchse so richtig über die gute Jugendarbeit freuen. Da ist zum Beispiel der rechte Flügelstürmer Markus Richwien. Mit 20 stieß er von Magdeburg zu den Füchsen. Er brachte es bis zum Nationalspieler. Jetzt erhält er bei den Berlinern keinen Vertrag mehr. "Das ist hart. Ich gehe damit aber professionell um. Ich habe Verbindung zu verschiedenen Bundesligavereinen aufgenommen. Ich würde mit meiner Freundin aber auch ins Ausland gehen", tröstet sich der Torjäger. Richwien hatte durch einen gebrochenen Knöchel einen Karriere-Knick ist aber inzwischen wieder auf dem Weg zur alten Leistungshöhe.

Nationalteam im Visier

Warum der wegen seiner Sprungwürfe als Bördeflieger bezeichnete Richwien keinen Vertrag mehr erhält, legt Hanning schnörkellos dar: "Markus hat bei uns eine sportliche und berufliche Ausbildung erhalten. Jetzt rücken jungen Spieler nach, die genauso gut sind, aber zehn bis 15 Prozent weniger kosten. Wir sind als Verein nicht auf Rosen gebettet, deshalb muss ich neben dem Sport auch auf die Wirtschaftlichkeit achten. Wenn die Jungen anfangen zu beißen, müssen die Alten eben gehen."

Richwien wird nicht der letzte Spieler sein, der die Sachen packen muss. Hanning: "Wir haben uns zu dieser Nachwuchsarbeit entschieden, nun müssen wir auch die Konsequenzen tragen, wenn jedes Jahr junge Spieler nachrücken. Am Ende werden davon nicht nur die Füchse, sondern auch das Nationalteam profitieren. Fabian Wiede hat den Sprung bereits geschafft. Insgesamt spielen elf Füchse in den deutschen Auswahlmannschaften der verschiedenen Altersklassen."