Für die Konkurrenz ist der Titelkampf bereits entschieden, für Jürgen Klopp jedoch noch immer offen. Trotz der komfortablen Tabellenführung von zwölf Punkten bleibt der Trainer von Borussia Dortmund seiner zurückhaltenden Linie treu.

Düsseldorf (dpa). Die euphorischen Kommentare über den famosen Rückrunden-Start des BVB bei Verfolger Bayer Leverkusen (3:1) hält Klopp für übertrieben. "Ich habe nicht eine Sekunde das Gefühl, dass wir die Sterne vom Himmel spielen. Vom perfekten Spiel sind wir noch weit entfernt", sagte der Fußball-Lehrer vor dem Duell mit dem Vorletzten aus Stuttgart.

Ungeachtet der Personalprobleme beim Revierclub, der auf Sven Bender, Shinji Kagawa und möglicherweise auf Mario Götze verzichten muss, zweifelt außerhalb von Dortmund kaum jemand an einer Fortsetzung der BVB-Siegesserie. Anders als noch in der Vorwoche spricht kein Verfolger mehr von einer Aufholjagd.

Selbst beim ansonsten schlagzeilenträchtigen FC Bayern ging es in den vergangenen Tagen verhältnismäßig ruhig zu. Angesichts des Rückstandes von 16 Punkten auf den BVB hat auch der Rekordmeister kapituliert: "Im Moment denke ich nicht an den Rat-hausbalkon, sondern an den zweiten Platz", bekannte Nationalspieler Thomas Müller.

Nach dem ärgerlichen 1:1 am vorigen Spieltag in Wolfsburg gilt die Rückkehr in die Champions League als vorrangiges Ziel. Auch ohne die verletzten Franck Ribéry, Ivica Olic und Toni Kroos will der Double- Gewinner des Vorjahres gegen den 1. FC Kaiserslautern laut Müller eine "kleine Revanche" für das 0:2 im Hinspiel nehmen.

Es passt ins Bild von einer bisher verrückten Saison, dass Hannover 96 als Favorit in das Duell mit dem FC Schalke geht. Zur Überraschung der Fachwelt rangieren die Norddeutschen mit 34 Zählern auf Rang zwei. Für Mirko Slomka sind Spiele gegen seinen ehemaligen Club noch immer etwas Besonders. Die nach wochenlangen Verhandlungen für Montag avisierte Vertragsverlängerung erhöht den Reiz der Partie gegen den Tabellen-11. zusätzlich. Liebend gern würde der Coach vor seiner Unterschrift unter Beweis stellen, dass der Höhenflug kein Zufall ist.

Bei den beiden Verfolgern aus Mainz und Leverkusen (jeweils 33 Punkte) wird viel davon abhängen, wie sie ihre Niederlagen zum Rückrundenauftakt verarbeitet haben. Die Mainzer stehen nach dem 0:1 in Stuttgart im Heimspiel gegen Wolfsburg unter Zugzwang. Trainer Thomas Tuchel hofft auf einen ähnlich starken Erfolgswillen seiner Profis wie beim grandiosen 4:3 im Hinspiel nach 0:3-Rückstand: "Damals hat uns das zusammengeschweißt."

Ähnlich wie Mainz will auch Leverkusen zurück in die Erfolgsspur. Vor der Partie bei Schlusslicht Borussia Mönchengladbach ließ Trainer Jupp Heynckes offen, ob mit einem Comeback von Michael Ballack nach gut viermonatiger Bundesliga-Abstinenz zu rechnen ist. Der ehemalige Leitwolf der Nationalelf drängt nach seinem vielversprechenden Einsatz im Test gegen Bochum in die Stammelf. Viel spricht jedoch dafür, dass Ballack sich weiter gedulden muss. "Ich wünsche mir nichts mehr, als dass Michael wieder topfit wird", kommentierte Heynckes vielsagend.