Wetzlar l In der mit 3989 Zuschauern ausverkauften Rittal-Arena hatten die Magdeburger zu keiner Phase an die starken Auftritte der letzten Wochen anknüpfen können. Zwar war Robert Weber (9/4) einmal mehr Top-Torschütze des Tages, das war aber nahezu das Einzige, was an die Serie der sechs spielerisch wie kämpferisch starken Spiele des SCM erinnerte.

Jungandreas stellte angesichts von 21 Fehlwürfen (18 davon aus dem Rückraum), fünf technischen Fehlern und einer vergleichsweise schwachen Torhüterleistung beider Keeper (10 Paraden) fest: "Der Sieg der HSG geht komplett in Ordnung. Wir haben 50 Minuten zu wenig investiert und in keiner Sequenz das auf die Reihe bekommen, was wir uns vorgenommen hatten." Irgendwie habe er es kommen sehen: "Ich will nicht schlaumeiern, aber irgendwie hatte ich da so ein Gefühl. In eineinhalb Wochen nach Hamburg ist im Kopf der Spieler offenbar viel passiert. Uns fehlte die totale Frische und Galligkeit."

Im Grunde genommen schlug das nach dem 6:6-Ausgleich durch Matthias Musche (16. Minute) stets in Führung liegende "No-Name-Team" der HSG, das ohne den verletzten Stars Ivano Balic sowie Kevin Schmidt auskommen musste, den SCM mit den eigenen Waffen: Leidenschaft, Kampf, unbedingter Siegeswille auf der einen und eine "bärenstarke 6:0-Positionsabwehr als stärkste Waffe" wie HSG-Trainer Kai Wandschneider befand. Zudem hob der Coach, der sechs deutsche Spieler in seinen Reihen weiß, die "sehr gute" Leistung von Torhüter Andreas Wolff in der ersten Halbzeit und die "aggressiv zupackende Deckung" in der zweiten Halbzeit hervor. Und Wandschneider lobte Tobias Hahn, der als Außen auch einen sehr guten Kreisspieler abgeben würde, sowie die "wichtigen Tore" von Steffen Fäth (5). Der Nationalspieler hatte vor den Augen von Bundestrainer Martin Heuberger dagegengehalten, als der SCM in seiner stärksten Phase vom 15:22 (46.) auf 20:23 (53.) verkürzen konnte.

Doch Jungandreas musste hinterher konstatieren: "In Lemgo oder Lübbecke hatten wir auch Schwächephasen, aber da haben wir rechtzeitig die Kurve gekriegt. Diesmal haben wir zu spät angefangen, zehn Minuten haben nicht gereicht, um das Spiel umzubiegen." Andererseits scheute sich der 53-Jährige auch nicht, seine Entscheidung, Dario Quenstedt im Tor beginnen zu lassen, hinterfragen zu lassen: "Die Frage ist durchaus berechtigt. Eigentlich lasse ich in dieser Sache oft meinen Bauch entscheiden, weil beide auf einem Level sind. Aber ehrlich gesagt, habe auch ich nach der sehr guten Leistung von Gerrie gegen Hamburg lange überlegt, was ich mache. Ich hatte gehofft, dass dies einen jungen Keeper wie Dario anstachelt. Aber die Rechnung ist leider nicht aufgegangen. Aber hinterher ist man ja immer schlauer."

Die Sorge, dass der Dämpfer sein Team im Kampf um Platz sechs weit zurückwerfen könnte, hat der SCM-Coach nicht: "Ich hoffe nicht. Nach sechs erfolgreichen Spielen kann man auch mal ein Spiel verlieren. Was die Jungs aber selbst überrascht hat, ist die Art und Weise. Sie haben nach dem Lauf, den sie hatten, sicher geglaubt, dass sie schon weiter sind und so etwas nicht mehr passieren kann. Aber das war ein Fehler, in dieser Liga darf man eben zu keiner Zeit Luft ranlassen. Wichtig ist es, den Fokus auf das Heimspiel gegen Gummersbach zu richten und uns wieder darauf zu besinnen, was uns stark gemacht hat."

Wetzlar: Wolff, Dahl - Prieto 1, Tiedtke 1, Rompf 4/2, Weber 2, Tönnesen, Reichmann 6/6, Laudt 2, Fäth 5, Hahn 5, Bliznac, Harmandic 1, Klesniks 1

Magdeburg: Quenstedt, Eijlers - Kneer 2, Rojewski 2, Musche 3, Landsberg, van Olphen 1, Natek, Grafenhorst 2, Haaß 2, Bezjak 2, Weber 9, Onto, Jurecki 1

Schiedsrichter: Brauer/Holm. Zuschauer: 3989. Siebenmeter: Wetzlar 10/8; SCM 5/4. Zeitstrafen: 2/3