Blankenburg l Tatjana Hüfner hatte kaum das erste Athletiktraining nach der Pause absolviert, als ihr Handy trällerte: Die Nachrichten-Agenturen stürzten sich auf die 31-Jährige mit der Frage oder vielmehr Feststellung, dass sie dem Rodeln weiterhin nachgeht. Das war am Montag vergangener Woche. "Die Entscheidung habe ich schon vor einigen Wochen gefällt", berichtete Hüfner der Volksstimme: "Ich traue mir zu, in der jetzigen Situation noch einmal anzugreifen."

Die Situation, sie hat sich nicht geändert. "Leider nicht", sagte Hüfner. Für die Situation ist sie nicht verantwortlich, aber sie hat sie öffentlich gemacht. Bei Olympia in Sotschi. Als die Blankenburgerin nach dem Gewinn der Silbermedaille die Ungleichbehandlung der Leistungsstützpunkte Oberhof und Berchtesgaden durch den Bob- und Schlittenverband Deutschland (BSD) kritisierte. Als sie erklärte, dass in Vorbereitung auf die Spiele ihr viele Steine in den Weg gelegt wurden. Ein halbes Jahr vor Sotschi war ihr mit André Florschütz der Trainer und die Vertrauensperson genommen worden. Wegen unüberwindbarer Differenzen mit dem Verband, hieß es.

Trotz aller Versprechen des BSD schon während der Spiele "sind meine Fragen bis heute unbeantwortet geblieben", so Hüfner. Dabei hatte selbst der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann, im März gegenüber der Volksstimme erklärt, es werde Konsequenzen geben in diesem Fall. Einen Ost-West-Konflikt, 25 Jahre nach der politischen Wende, werde er nicht dulden, kündigte Hörmann an - und bestätigte damit die Vermutung Hüfners, dass ihre Kritik gar nicht verstanden wurde.

Ost-West-Konflikt. Zickenkrieg. Oder Hüfner als schlechte Verliererin in Sotschi beim Sieg von Natalie Geisenberger (Miesbach) aus der Trainingsgruppe in Berchtesgaden: Hüfners angesprochenes Problem ging mit einer falschen Schlagzeile oder in der falschen Sichtweise unter. Ihr ging es schlicht um Förderung der Sportler. Um die hohe Trainer-Fluktuation, die in Oberhof herrscht. "Ich sehe in der Personalpolitik des Verbandes einen erheblichen Verbesserungsbedarf", hatte sie erklärt.

Vielleicht braucht sie in diesem Fall nur besonders viel Geduld. "Die sportpolitischen Mühlen sind manchmal sehr schwerfällig", weiß Hüfner. "Aber ich schätze Herrn Hörmann sehr, weil er gewillt ist, die Dinge auch zu ändern."

Tatjana Hüfner wurde wie 32 anderen Medaillengewinnern bei den Olympischen und Paralympischen Winterspielen am vergangenen Donnerstag das Silberne Lorbeerblatt von Bundespräsident Joachim Gauck überreicht - die höchste Auszeichnung für einen Sportler in Deutschland. Womöglich hat die Ehrung die Olympiasiegerin von Vancouver 2010 darin bestärkt, ihren Weg durch die Eiskanäle der Welt fortzusetzen. "Ich bin absolut motiviert und gesund", betonte sie. Nur allzuweit vorausschauen mochte sie nicht. Olympia 2018 ist (noch) kein Thema. "Vielleicht stelle ich ja in einem Jahr fest, dass es eben nicht mehr geht, dass ich die Freude am Rodeln verloren habe." Auch das steht nämlich für die Studentin zur "Pädagogik der Kindheit" fest: "Ich lasse mich für den Sport nicht kaputtmachen."