Halle l Super Wetter, super Starterfelder, super Publikum, super Stimmung: Es war angerichtet am Sonnabend für den Jubiläums-Werfertag in Halle. Und die 40. Auflage im traditionsreichen Mekka der Werfer und Stoßer hat die hohen Erwartungen sogar noch übertroffen, denn die stärkste Fraktion in der deutschen Leichtathletik, darunter auch Magdeburgs EM-Hoffnung Martin Wierig, ließ es mit super Weiten krachen. Herausragend dabei die Weltjahresbestleistung des Polen Piotr Malachowski, der mit 69,28 Metern das Diskuswerfen gewann und Olympiasieger Robert Harting (68,28/Berlin) sowie Wierig (66,02) die Show stahl.

3000 Zuschauer rund um den Wurfsektor hatten dem Kampf der Diskus-Hünen buchstäblich den passenden Rahmen gegeben. Und der Wettkampf hielt, was das erlesene Starterfeld versprochen hatte. Zwölf Werfer mit einer Bestleistung von über 65 Metern, das war bereits ein Vorgeschmack auf die EM in Zürich vom 12. bis 17. August.

Harting mit Ergebnis unzufrieden

Um nach drei Würfen den Endkampf der besten Acht zu erreichen, mussten am Samstagnachmittag 64,27 Meter (!) geworfen werden. Das Ungewöhnliche daran war, dass allen voran "Diskus-Dominator" Harting zittern musste: Der Weltmeister hatte zwei ungültige Würfe, ehe er sich im dritten Versuch 67,00 Meter "regelrecht rausgequält" hatte.

"Ich hatte es irgendwie im Gefühl, dass es heute schwer werden würde. Die Bedingungen waren locker da, um 70 Meter zu werfen", war der Berliner, der sich im vierten Versuch noch auf starke 68,28 Meter gesteigert hatte, unzufrieden. "Ich will und ich kann mehr, nur passt es momentan irgendwie alles nicht richtig zusammen."

Offensichtlich ein wenig zerknirscht war auch Martin Wierig. Zwar hatte der 26-Jährige nach dem Auftakt in Wiesbaden zum zweiten Mal die EM-Norm locker geknackt, aber die Ansprüche des WM-Vierten sind weitaus höher: "Ich ärgere mich, denn ich weiß, es ist mehr möglich."

Müller auf Platz drei der Diskus-Weltbestenliste

Dabei sei eigentlich gar nichts passiert, "Platz drei hinter dem Welt- und Vizeweltmeister ist okay, und sich über 66 Meter beklagen, ist wohl eher meckern auf hohem Niveau", nahm er seine Unzufriedenheit selbst aufs Korn. "Ich brauche vielleicht nur etwas mehr Lockerheit, damit der Knoten platzt und ich meine gute Trainingsleistung auch im Wettkampf umsetzen kann."

In glänzender Frühform zeigte sich in Halle neben Lokalmatadorin Nadine Müller, die sich mit der Siegerweite von 67,30 Metern auf Rang drei der aktuellen Diskus-Weltbestenliste katapultierte, auch Kugelstoß-Vizeweltmeisterin Christina Schwanitz. Die starken 20,22 Metern zum Saisoneinstand waren eine Kampfansage der Chemnitzerin an Seriensiegerin Valerie Adams (Neuseeland). "Ich kann unser Aufeinandertreffen am Mittwoch in Peking kaum erwarten."