Magdeburg l Das Trikot mit der Nummer 7 war längst getrocknet, die Augen dagegen noch immer feucht: Es war gut eine Stunde her, dass Kjell Landsberg am Sonntagabend zwar an der Seite von fünf "Leidensgefährten", aber irgendwie einsam und verloren im Zentrum des Handball-Feldes stand und verabschiedet wurde.

Doch noch immer war er umringt von Fans. Sie alle wollten noch ein allerletztes Foto mit dem Mann machen, der seit 2010 an der Seite von Kapitän Fabian van Olphen die Deckung dichthielt und dies, "wenn es nach mir gegangen wäre, gern noch eine Saison länger getan hätte".

Für Landsberg nicht das richtige Angebot

Das Foto könnte historischen Wert haben, denn während die Spieler-Karrieren von Tim Hornke (Lemgo), Gerrie Eijlers und Marco Oneto (beide Minden) sowie Stefan Kneer (Rhein-Neckar Löwen) in der Bundesliga weitergeht, hatte Landsberg während der bewegenden Abschiedszeremonie zur Überraschung vieler seinen Rücktritt verkündet.

"Sicher hätte ich lieber weitergespielt, zumal ich wieder voll fit bin und mich mit 33 Jahren sehr wohl noch körperlich in der Lage sehe, erste Liga zu spielen." Es sei aber bei den Angeboten nicht das Richtige dabeigewesen, gibt der in Bad Oldesloe geborene Kreisläufer zu. "Jedenfalls nichts, was mich als Spieler, der in jeder Partie sein Herz und seine Leidenschaft aufs Feld wirft, gekitzelt hätte. Und mal ganz ehrlich, was soll nach dem SCM denn noch kommen?", fragte Landsberg rhetorisch, denn in Magdeburg zu spielen, sei schon das Gelbe vom Ei gewesen. "Zeig\\\' mir mal einen Handballverein in Deutschland, wo Spieler so verabschiedet werden, wie ich es heute erlebt habe."

Standing Ovations für SCM-Spieler

Über 6000 Fans, die einem Spieler mit Standing Ovations sozusagen "die letzte Ehre" erweisen, das sei unglaublich. "Da fällt einem der Abschied noch viel schwerer", fand der Routinier. "Was die Liebe zum Handball, den Sachverstand und die Emotionalität der Fans anbelangt, ist Magdeburg schon etwas ganz Spezielles, das erlebst du nirgendwo so intensiv wie hier."

Doch Landsberg wäre nicht der Handballer mit Leib und Seele, wenn er seine Mission beim SCM mit dem letzten Spiel vor heimischer Kulisse beendet sehen würde. "Weiter geht\\\'s. Am Samstag in Minden wollen wir die Saison mit einem Erfolgserlebnis abschließen, um mit einem Sieg die letzte Chance auf Platz sechs zu wahren. Der Rest liegt dann nicht mehr in unseren und in meinen Händen, aber ich würde es meiner Mannschaft natürlich wünschen, dass sie im kommenden Jahr international spielt", so Landsberg, der vorhat, mit seiner Ehefrau Andrea, einer Halbmexikanerin, "auf eine lange Reise" zu gehen. "Im September geht es los, dann starten wir mit einem One-Way-Ticket Richtung Mittelamerika. Wenn\\\'s uns da gefällt, bleiben wir, wenn nicht, kommen wir nach einem halben Jahr zurück und ich spiele vielleicht doch noch irgendwo in der Rückserie Handball. Wer weiß, ich bin für alles offen."

Jurecki und Haaß konzentrieren sich auf Saisonabschluss

Offen ist auch, wie das mannschaftsinterne Duell zwischen Bartosz Jurecki und Michael Haaß um das Ticket nach Katar ausgeht. Sowohl Polen als auch Deutschland melden ein Anrecht darauf an, 2015 bei der WM dabei zu sein. Doch nur eine Nation wird die Reise antreten können: der Sieger des WM-Playoffs, das nach dem Hinspiel in Danzig (7. Juni) am 14. Juni in Magdeburg endgültig entschieden wird.

Auch wenn es erst in drei Wochen zum Äußersten kommt, und beide beteuern, sich zunächst einmal noch auf den Saisonabschluss in Minden konzentrieren zu wollen, "so ganz bekommt man das Spiel der Entscheidung nicht aus dem Kopf. Es geht ja um viel, und jeder will den Sieg", gestand Haaß.

"Im Training gibt es schon auch mal ein Späßchen oder eine Ansage, so nach dem Motto: Vorsicht, in drei Wochen kommst du nicht so leicht an mir vorbei", gab Jurecki am Sonntag preis. Die Frage nach einer Wette beantwortet er allerdings ebenso mit einem (verräterischen) Schmunzeln wie der Spielmacher des DHB-Teams. Haaß: "Kommt nicht in Frage, wir sind doch Sportler, da wird nicht gewettet. Da hört der Spaß dann auch wirklich auf."

 

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