Magdeburg l Im März dieses Jahres wurde Robert Stieglitz von Sauerland-Boxer Arthur Abraham entthront. Damit verlor SES seinen einzigen Weltmeister mit TV-Präsenz. "Nur" das zarte Geschlecht hält derzeit mit Ramona Kühne und Christina Hammer die Fahne hoch, sie konnten jegliche Angriffe auf ihre WM-Titel erfolgreich abwehren.

Für SES-Promoter Ulf Steinforth, der momentan in den Vorbereitungen auf den Kampfabend der Schwergewichte in Dresden steckt (30. Mai), ist der Status quo jedoch nur eine Momentaufnahme. "Ich bin überzeugt davon, dass wir in einem Jahr wieder einen Weltmeister in unseren Reihen haben - und der heißt Robert Stieglitz", verkündet der Box-Unternehmer selbstbewusst.

SES-Boxstall gibt sich finanziell stark

"Was ein Abraham kann, das können wir schon lange", meint der 46-Jährige in Bezug auf den Berliner, der sich nach der K.o.-Pleite im zweiten Duell in neun Monaten von vier auf eins der Rangliste vorgekämpft hatte und von der WBO zum Pflichtherausforderer ernannt wurde. "Robert trainiert seit zwei Wochen wieder. Er ist kampfeswillig und sieht sich nach wie vor des Titels beraubt", berichtet Steinforth von seinem Schützling. "Ende Juli ist ein Titelkampf geplant und danach zünden wir die nächsten Stufen der Rakete."

"Sauerlands zwanghafte Versuche, sich ins Gespräch zu bringen, klingen für mich wie das Pfeifen im Walde."
- SES-Promoter Ulf Steinforth

Ebenso rigoros wischt der Promoter, der bei der Versteigerung 3,1 Millionen Euro auf den Tisch gelegt hatte, um den WM-Kampf nach Magdeburg zu holen, Befürchtungen vom Tisch, dass die wirtschaftliche Existenz von SES auf wackligen Füßen steht: "Sicher war das nicht nur für unseren Haussender Sat.1 eine Stange Geld, sondern auch für uns als Firma ein finanzieller Kraftakt. Aber keine Sorge, das Ganze hat uns nicht an den Rand des Ruins gebracht", beteuert der Promoter. Schließlich sei er seit 25 Jahren als Geschäftsmann unterwegs und das erfolgreich. "Ich kann nur sagen: Wir sind niemandem etwas schuldig geblieben, mit dem Kampftag 1. März war alles bezahlt."

Universum-Boxstall nach ZDF-Ausstieg insolvent

Seitdem ist einiges passiert. Vor allem die Nachricht, dass die ARD den zum Jahresende auslaufenden Fernsehvertrag mit dem Boxstall um Wilfried und Kalle Sauerland in bisheriger Form nicht verlängern wird, hat für Bewegung hinter den Kulissen gesorgt. Die hektische Betriebsamkeit der Berliner, die Medienberichten zufolge vom öffentlich-rechtlichen TV-Sender zwischen 900.000 und 1,5 Millionen Euro pro Kampfabend kassiert haben sollen, erinnert an die Endphase des Hamburger Universum-Stalls. Der damalige Platzhirsch, mit Klaus-Peter Kohl an der Spitze, verlor im Juli 2010 seinen TV-Partner ZDF. In der Endkonsequenz musste der Boxstall Insolvenz anmelden.

Das Horrorszenario vor Augen traten die Sauerländer die Flucht nach vorn an. Ein Duell von Abraham gegen Sturm wurde ins Gespräch gebracht, und es hieß, man habe einen Plan B und verhandle bereits mit anderen TV-Sendern, unter anderem zeige Sat.1 Interesse.

Ausstieg der Fernsehsender für SES ein Warnschuss

Steinforth sieht das Treiben gelassen, zumal sein Vertrag mit Sat.1 nach Volksstimme-Informationen noch bis Mitte 2015 läuft: "Was Sauerland da veranstaltet, amüsiert mich eher. Die zwanghaften Versuche, sich ins Gespräch zu bringen, klingen für mich verzweifelt und wie das Pfeifen im Walde. Das Krisen-Management ist jedenfalls nicht das Beste, und es sieht auch nicht so aus, als hätten sie den Plan B."

Dennoch bezeichnet auch der Magdeburger das Signal, das von der ARD ausgeht, als "Warnschuss" und besorgniserregend: "Für mich ist und bleibt Boxen eine interessante Sportart für den TV-Bereich. Allerdings müssen wir innovativ sein, neue Wege gehen und die Märkte Free-TV und neue Medien erschließen. Das versuchen wir gerade mit Sat.1, maxdome oder MyVideo."