Magdeburg l Willkommen in der Ruderschule Oesemann, am Standort Industriehafen Magdeburg - hier klingt es wie bei einer Auktion. Zum Start der Übung heißt es kurz und bündig: "Fertig! Los! Zack!" Dann schäumt der Doppelzweier des SCM das Wasser auf, mit Schlägen in bester Frequenz und zur höchsten Geschwindigkeit. "Gemeinsam! Auf den Punkt!", ruft Roland Oesemann stets und ständig vom Motorboot. 250 Meter, Pause, 250 Meter, Pause, 500 Meter, Ende: Philipp Syring und Max Appel sinken in sich zusammen.

"Das war geil", jubelt der Trainer mit Blick auf die Stoppuhr und für seine ausgepumpten Jungs gleich mit. "So würde man aber nie einen Wettkampf fahren", fügt er lächelnd an. Auch nicht bei der U-19-Europameisterschaft am Wochenende in Hazewinkel (Belgien).

Syring und Appel haben Ende April beim Frühtest in Köln den Zweier gewonnen, sie haben vor zehn Tagen bei der Regatta in München den Zweier gewonnen. Und "wir wollen bei der EM gewinnen", legen sich beide fest. Und "internationale Erfahrung sammeln", sagt Appel (18 Jahre). Und "wissen, wo man in Europa steht", meint Syring (17). Für ein paar Tage geht es nicht um das von beiden erklärte Ziel, den WM-Einer in Hamburg (9./10. August) zu fahren. Es geht nur um den gemeinsamen Erfolg, den sie im Feld der insgesamt 23 Boote erreichen wollen. Es ist das größte Feld bei der EM, zu der der Deutsche Ruderverband noch drei weitere Boote schickt.

"Die EM ist für uns ein weiterer Zwischenschritt", sagt Trainer Oesemann, "jeder Wettbewerb im Zweier hilft auch, im Einer voranzukommen."

Vorangekommen sind seine Schützlinge auch in den vergangenen Monaten. "Wir haben die rohe Gewalt rausgenommen und mehr filigrane Technik reingebracht", sagt Syring. "Ich kriege das Boot besser zum Laufen, weil ich mehr mit den Beinen arbeite als mit dem Oberkörper", berichtet Appel.

Die Konkurrenz untereinander tut beiden gut, finden sie. Und nicht nur bei der EM, auch am 7./8. Juni in Hamburg wollen sie davon profitieren - im Duell gegeneinander. Es geht im Ranglisten-Wettbewerb der U 19 bereits um den Einerstart bei der WM. Hauptkonkurrent ist Tim Ole Naske (Hamburg), der im April in Köln beide SCM-Ruderer geschlagen hatte.

Auf Naske Co. konzentrieren sich Syring und Appel ab Montag. Erst kommt die EM - für die sind sie gerüstet. Nach der Einheit am Mittwoch sagt Oesemann: "So schnell ist hier noch kein Zweier gerudert!" Das klang nach viel Respekt.