Monte Carlo (dpa) | Bei einer neuerlichen Technik-Panne für den leidgeplagten Weltmeister Sebastian Vettel wehrte Rosberg alle Attacken seines wütenden Silberpfeil-Widersachers Lewis Hamilton ab. "Das ist fantastisch", funkte der Sieger nach einem lauten Jubelschrei bei der Zieldurchfahrt an die Box.

Wie vor einem Jahr durfte der gebürtige Wiesbadener nach seinem zweiten Saisonsieg die Glückwünsche von Fürst Albert in der Fürstenloge entgegennehmen. Der 28-Jährige zog mit seinem fünften Grand-Prix-Erfolg zudem mit seinem Weltmeister-Vater Keke gleich. Der zuletzt viermal in Serie siegreiche Hamilton musste sich beim Großen Preis in Monte Carlo mit Platz zwei begnügen und die WM-Führung an Rosberg wieder abgeben. Dritter wurde Daniel Ricciardo, dessen Red Bull im Gegensatz zum Wagen von Teamkollege Vettel mal wieder hielt. Der Hesse musste sein Auto ausgerechnet in seinem 100. Rennen für Red Bull wegen eines technischen Defekts in der siebten Runde abstellen.

"Es ist natürlich frustrierend, wenn man als stehendes Hindernis durch die Stadt fährt", stellte Vettel ernüchtert fest. In der WM-Wertung verharrt der Vierfach-Weltmeister bei 45 Punkten - die Spitze mit Rosberg (122) und Hamilton (118) ist bereits weit enteilt. Und auch Landsmann Nico Hülkenberg überholte Vettel im Klassement dank eines starken fünften Rangs in Monte Carlo wieder.

Bis der fünfte Mercedes-Doppelerfolg in Serie feststand, stellten Rosberg und Hamilton die gesamte Crew auf eine harte Probe. Zumindest der befürchtete Crash blieb beim Start auf dem Boulevard Albert 1er aus. Teamaufsichtsrat Niki Lauda hatte auch gedroht: "Wenn sie sich in der ersten Kurve treffen, kriegen sie ein Problem mit mir."

Im knallharten Teamduell um den Prestigeerfolg in der gemeinsamen Wahlheimat ließen Pole-Mann Rosberg und Nebenmann Hamilton erstmal Vernunft walten, beziehungsweise kam Hamilton auch gar nicht nah genug an seinen deutschen Widersacher bis zur ersten Kurve ran. Der Kupplungswechsel in Rosbergs Wagen machte sich bezahlt, Rosberg verteidigte seinen ersten Platz, den er sich auch durch ein zweifelhaftes Manöver im Qualifying gesichert hatte.

Dahinter begann das Rennen im Fürstentum für den wankenden Formel-1-Regenten Vettel noch einigermaßen vielversprechend, der Heppenheimer überholte Ricciardo. Auch Kimi Räikkönen, der sich wegen Magenproblemen die traditionelle Fahrerparade durch die Häuserschluchten noch erspart hatte, schob sich im Ferrari vorerst am Australier vorbei, damit führten zunächst Rosberg vor Hamilton und Vettel vor Räikkönen.

Allerdings wurde das Feld schon auf der ersten Runde von insgesamt 78 Umläufen auf dem kürzesten Kurs im Grand-Prix-Kalender wieder eingebremst. Nach einem Unfall von Force India-Pilot Sergio Perez aus Mexiko musste das Safety Car auf die Strecke. Als Bernd Mayländer den Wagen nach zwei gefahrenen Runden wieder Richtung Box lenkte, nahm das neuerliche Vettel-Dilemma seinen Lauf.

Einer nach dem anderen passierte den viermaligen Weltmeister. "Ich habe keine Power", klagte Vettel. Ein längerer Boxenstopp half letztlich auch nichts. "Man hofft seitens der Box, das was Schlaues kommt, kam aber nicht", resümierte der 26-Jährige ernüchtert. Der zweite Ausfall im sechsten Saisonrennen für Vettel, auf den selbst in der Zockermetropole an der Côte d\'Azur wohl kaum mehr einer in Sachen Titelverteidigung wetten würde.

Die WM machen - Stand nach knapp einem Drittel der Saison - ohnehin Rosberg und Hamilton unter sich aus. Und dieses Duell hat es in sich wie einst die Zweikämpfe zwischen Ayrton Senna und Alain Prost. Als das Safety Car nach einem Unfall des Gräfelfingers Adrian Sutil im Sauber erneut rauskam, echauffierte sich Hamilton, dass er nicht früher an den Box zum nächsten Reifenwechsel geholt wurde.

Der Weltmeister von 2008 wollte sich nicht mehr beruhigen, von Verständnis für die Entscheidung seiner Crew keine Spur. Dass Rosberg beim Restart auch noch derart langsam fuhr, dass Hamilton ihm beinahe in den Wagen gekracht wäre, dürfte den arg angefressenen Briten noch mehr verärgert haben. Er versuchte verzweifelt, seinen Teamkollegen unter Druck zu setzen. Gut zwölf Runden vor Schluss klagte er plötzlich, dass er etwas im Auge habe. Den Blick richtete er aber weiter auf seinen Vordermann: "Mich interessiert nicht, was hinter mir ist, ich will wissen, was mit Nico ist." Der fuhr aber letztlich souverän seinen Sieg ein, während Hamilton sich gegen Ricciardo auf den letzten Kilometern wehren musste.